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Im Zuge dieses Themas, haben wir eine
ehemalige Magersüchtige über ihren Weg zurück in die Normalität befragt:
Interview mit Nicole, 21
Interviewer:
Hallo
Nicole, vielen Dank,
dass du dich dazu bereit erklärt hast mit uns über deine überwundene,
schwere
Zeit zu sprechen.
Du warst magersüchtig, wie
geht es dir heute?
Nicole:
Gerne, ich hoffe ich kann
euch damit einen Einblick in die Welt der Betroffenen verschaffen.
Mir geht es wieder gut, ich
wiege bei einer Größe von 180cm so ca. 60 kg.
Interviewer:
Was war
der Auslöser für
deine Magersucht?
Nicole:
Ich war als Kind immer recht
pummelig und als ich ca. 12 war, begann ich mich in meinem Körper nicht
mehr
wohl zu fühlen.
Als ich durch die Schule und
so, ohne die Aufsicht meiner Eltern Mittagessen konnte, ließ ich es
immer öfter
ausfallen.
Das ging so weit, dass ich
sogar mein Jausenbrot verschenkte oder weg schmiss und dann fast gar
nichts
mehr gegessen habe.
Interviewer:
Denkst du,
dass das medial
vermittelte Bild des Schönheitsideals Einfluss auf deine Entscheidung
nicht
mehr zu Essen hatte?
Nicole:
Auf jeden Fall.
Ich denke mit 12 Jahren ist
man noch nicht reif genug, zu erkennen, dass das Aussehen von
Schauspielern
nicht mit dem eines Durchschnittsmenschen zu vergleichen ist.
Egal welche Zeitschrift man
aufblättert, es geht meistens darum wie man noch schlanker werden kann.
Ich würde die Medien nicht
unbedingt als Auslöser für meine Magersucht nennen, aber Hilfe waren
sie auch
keine Große.
Interviewer:
Bitte gib
uns einen Einblick
in deinen Alltag, als du deine Magersucht noch nicht bekämpft hattest.
Nicole:
Also Essen stand bei mir
nicht auf der Tagesordnung.
Ich entwickelte gewisse andere
Zwänge – schaute mehrmals nach ob ich die Wohnungstür auch wirklich gut
zugeschlossen hatte und sortierte akribisch meine Filzstifte nach Farbe
und
Größe um nur einige harmlose zu nennen.
Außerdem kämpfte ich um jede
Aufmerksamkeit die ich kriegen konnte und verletzte mich teilweise auch
selbst
(da war mir nicht bewusst dass ich bereits die meiste Aufmerksamkeit
aufgrund
meines geringen Gewichts gehörte)
Ich sah mich mehrmals
täglich in den Spiegel und fand mich noch immer viel zu dick.
Interviewer:
Wie begann
dein Weg in
Richtung Heilung?
Nicole:
Meine Eltern, Freunde und
Familie redeten lange Zeit auf mich, was jedoch keinerlei Wirkung hatte.
Nach meinem dritten
Schwächeanfall den ich mitten auf der Straße hatte, erkannte ich jedoch
die
Verzweiflung meiner Familie und willigte ein, an einem
Rehabilitierungsprogramm
teil zu nehmen.
Interviewer:
Wie sahen
die
Genesungsmaßnahmen aus?
Nicole:
Da Magersucht im Kopf
beginnt, wurde ich von einem Therapeutenteam begleitet.
Es dauerte lange, bis ich
mich in den Spiegel schauen konnte und sah, dass ich nicht zu dick war.
Ich musste wieder lernen zu
Essen.
Für den Anfang musste ich
einen Kornspitz in 4-5 dünne Scheiben schneiden und ich durfte mir
aussuchen
womit ich ihn belegte. Ich nahm meistens Emmentaler und musste mich
zwingen
diese 4-5 Scheiben den ganzen Tag über zu mir zu nehmen.
Das klingt für einen
gesunden Menschen unvorstellbar, doch die erste Zeit kostete mich
Unmengen an
Kraft und Überwindung.
Außerdem musste ich immer in
Gesellschaft essen, damit kontrolliert werden konnte ob ich auch keine
Mahlzeit
auslasse und besuchte 3 mal die Woche die Semmelweißklinik in der
ich meinem Therapeutenteam und meiner Gruppe die
Fortschritte vorlegte.
Zusätzlich hatte ich einmal
wöchentlich ein Gespräch mit einem Psychologen.
Interviewer:
Wie lange
hat deine Therapie
gedauert?
Nicole:
Ich war 4 Monate in
intensiver Betreuung, denn Magersucht ist eine Suchtkrankheit und das
„Nicht
essen wollen“ bleibt.
Ich habe lernen müssen mehr
auf mich und meinen Körper zu achten und meinen „Inneren Schweinehund“
zu
überlisten und etwas zu essen auch wenn es mir widerstrebte.
Interviewer:
Wie sehen
deine
Zukunftspläne aus?
Nicole:
Ich möchte noch mindestens 5
kg zunehmen, da ich in einem Alter bin wo man auch über Familie
nachdenkt und
ich bis jetzt durch meine Magersucht Gefahr gelaufen bin, zu dünn für
Kinder zu
sein.
Ich habe zwar derzeit keinen
Partner, aber ich weiß, dass ich einmal ein ganz normales Familienleben
führen
möchte.
Ich sehe zwar wieder
ansehnlich aus, habe mit 60 kg bei 180cm Größe aber noch etwas zu
wenig, das
entspricht glaube ich einem BMI von ca. 18 – was noch in den
Untergewichtsbereich fällt.
Natürlich nicht zu
vergleichen mit meinem Tiefstgewicht von 45 kg. ;)
Interviewer:
Was
würdest du jungen Betroffenen
raten, die mit ihrem Körper unzufrieden sind?
Nicole:
Sprecht mit einer Person
eures Vertrauens über eure Gedanken, Wünsche und Ängste.
Esst auf keinen Fall gar
nichts – behaltet immer die Konsequenzen im Hinterkopf und seit nicht
böse wenn
eure Freunde und eure Familie etwas sagen, was euch nicht gefällt, sie
wollen
euch bestimmt nur helfen.
Interviewer:
Vielen
Dank für deine
ehrlichen Antworten.
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