Die Interviews

In Zuge dieses Themas haben wir zwei Ärztinnen über chinesische Kräuter und chinesische Medizin befragt:

Interview mit Dr. Claudia Burkhardt, Ärztin für Allgemeinmedizin, ÖAK-Akupunktur und TCM in Eisenstadt.

Interviewer: Wie sieht Ihr Ausbildungsgang hinsichtlich TCM aus?

Dr. Claudia Burkhardt: Die TCM-Akupunktur-Ausbildung dauert 2 Jahre, wird im Kaiserin-Elisabeth-Spital angeboten und schließt mit einem Diplom ab. Dann habe ich noch die 3-jährige Ausbildung für Traditionelle Chinesische Kräutermedizin gemacht, die auch mit einem Diplom abschließt von der Österreichischen Ärztekammer. Dazwischen besuche ich laufend Fortbildungen in Berlin, Wien und Graz.

Interviewer: Welche Formen der TCM wenden Sie selbst an?

Dr. Claudia Burkhardt: Es gibt in der TCM 6 verschiedene Standbeine, ich biete in meiner Praxis westliche Schulmedizin, Akupunktur und Chinesische Kräuterlehre an.

Interviewer: Wie sind die Reaktionen Ihrer Patienten auf die Anwendung der Chinesischen Heilkräuter?

Dr. Claudia Burkhardt: Jedes Medikament hat Wirkungen und Nebenwirkungen. Die chinesische Medizin hat weite Bereiche, wo sie sehr gut ist, wo die Schulmedizin weniger gut hilft, das ist immer eine Abwägungssache, was man nimmt. Die Reaktionen sind durchwegs, zu 95% sicherlich positiv. Natürlich gibt es Dinge, wo man sagt, den Leuten geht es zu langsam. Dinge, die man zum Beispiel schon 20 Jahre hat, muss man jahrelang behandeln. Da ist dann die Frage, ob es einem das wert ist.

Meistens sind die Reaktionen aber positiv.

Interviewer: Warum glauben Sie, gibt es so wenige Studien, die die Effektivität von Chinesischen Kräutern eindeutig beweisen?

Dr. Claudia Burkhardt: Weil es erstens einmal sehr schwierig ist, weil mit Wirkstoffkombinationen gearbeitet wird, die individuell auf den Patienten zugeschnitten sind. Da ist die Wirkung natürlich schwerer nachzuweisen, als wenn ich jemandem ein Aspirin gebe, wo ich 100 anderen Leuten das gleiche gebe.

Zweitens weil die Pharmafirmen damit kein Geld verdienen können und deshalb auch kein Interesse an Studien haben.

Und drittens hat es auch viel mit Erfahrungswerten zu tun. Kräuter, die es seit 4000 Jahren gibt werden als sicherer angesehen als Kräuter, die man erst seit 100 Jahren kennt.

Interview mit  Julia Rüsch, Allgeimene Medizin 
 Interviewer: Wie sehen Ihr Ausbildungsgang und Ihr beruflicher Werdegang aus?    

Julia Rüsch: Medizinstudium, Lehrpraxis in Ordination für Allgemeinmedizin – dort viel Komplementärmedizin; Turnus GöHei, Lehrpraxis HNO, Haut; restl. Turnus KFJ Ausbildungslehrgänge in Orthomolekularer Medizin, Ernährungsmedizin, Applied Kinesiology, F.X.Mayr, Psychosoziale Medizin, Psychosomatische Medizin.

Jus practicandi (Arzt für Allgemeinmedizin) seit 7/06; Ordination mit Schwerpunkt Psychosomatik in der Steiermark, Allgemein-Vertretungen; Arge Psychosomatik/Loosreport (Zusammenhang Familie/Sexualität/Leben), Betreuung zweier Suchtkranker in einem Team mit medizinischem Coaching, Sozial- und Arbeitstherapie.                             

        Interviewer: Welche Formen der TCM/der Alternativmedizin allgemein kennen
Sie und wenden Sie selbst an?

Julia Rüsch: Schröpfen, Akupunktur, Heilkräuter, Qigong, Tuina, Shiatsu .. Andere: Homöopathie, AK, BiosignalModulation, Orthomolekulare Medizin, Osteopathie, Manuelle Medizin, Neuraltherapie, ….

Selbst wende ich nichts davon an. Mein Zugang ist die Psychosomatische Medizin auf Grundlagen der Schulmedizin, als Therapie das ärztliche Gespräch

           Interviewer: Was denken Sie über die Anwendung von Chinesischen
Kräutern?
 Welche Erfahrungen haben Sie auf diesem Gebiet?

       Julia Rüsch:  Ich habe keine Erfahrung, aber die Anwendung Chinesischer Kräuter soll sehr teuer sein!

        Besser finde ich Kräuter aus chemischer Zusammenstellung. Allerdings wenn, dann sollte man heimische Kräuter bevorzugen!  

            Interviewer: Wie sind die Reaktionen Ihrer Patienten auf diese Behandlungsform? (positiv und negativ)

Julia Rüsch: Ich wende sie nicht an, daher kann ich das leider nicht beurteilen.

        Interviewer: Warum denken Sie über aktuelle Studien, die meinen, die
chinesische Kräutermedizin bringe mehr Schaden als Nutzen?

Julia Rüsch: Ich weiß zuwenig über diese Studien. Grundsätzlich ist jede Anwendung von Arzneimitteln/Kräutern/Nahrungsstoffen ein Eingriff in den Hormonhaushalt des Körpers. Die Eigenheilung wird dadurch beeinflusst.