Phonologische Evidenz für den
klingonischen Ursprung des
Namens "Öller"

von
Robert Foltin
7. 8. 2048

 

 

IN BISHER WENIG BEACHTETES phonologisches Phänomen ist der Zusammenhang zwischen der Konstituentenstruktur ("Silbenstruktur") und den melodischen Elementen. Schon länger ist es bekannt, daß die Lizensierung einzelner Elemente mit der Lizensierung von Positionen zusammenhängt. Ich werde jetzt kurz zeigen, aus welchen Gründen eine bestimmte phonologische Struktur in einer menschlichen Sprache nicht möglich ist. Allerdings wird eine sehr ähnliche Struktur in den Fortalezza-Fragmenten über das Klingonische beschrieben.

"Öller" hat die folgende Konstituentenstruktur:

 

 

 

 

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Lizensierung

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O1

 

N1

O2

N2

O3

N3

 

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|

 

|

|

 

x

 

x

x

x

x

x

 

 

 

 

|

 

|

|

 

 

 

ö

l

 

l

er [1]

 

 

Der leere Onset O1 wird durch den Nukleus N1 lizensiert, der leere Nukleus N2 durch die Geminatenstruktur O2 und O3. Es gibt keine Probleme mit der Lizensierung. Das ändert sich aber, wenn man auch die Elementstruktur berücksichtigt. Bekannterweise ist das [ö] der komplexeste Vokal (wenn man Töne nicht berücksichtigt), er enthält alle drei Elemente A, I und U, aber ebenso enthält [l] die Elemente I und U. Jetzt taucht ein zusätzliches Problem auf: die Übereinstimmung der Elemente in benachbarter Position gibt es nicht (durch das OCP – obligatory contour principle), die Elemente müssen anhand der Lizensierungsstrukturen vom Lizensierenden zum Lizensierten ausgebreitet werden. Durch diese Ausbreitung wird sozusagen eine zusätzliche Lizensierungsstruktur (Lizensierung 2) notwendig, wie im folgenden dargestellt:

 

 

 

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Lizensierung 2

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Lizensierung 1

O

 

N

 

O

N

O

N

 

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|

 

x

 

x

 

x

x

x

x

 

 

 

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U

<<

U

<<

U

er

Spreading

 

 

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|

 

|

 

 

 

 

I

<<

I

<<

I

 

 

 

 

|

 

 

 

 

 

 

 

 

A

 

 

 

 

 

 

 

 

Es gibt also so etwas wie eine Kreuzlizensierung, die an sich kein Problem ist, denn es kommt ja oft genug vor, daß eine Geminatenstruktur die gleichen Elemente enthält wie der davor liegende Vokal. Die Besonderheit ist, daß in diesem Fall der Vokal einen leeren Onset zu lizensieren hat. [2] Und ein leerer Onset muß durch (nicht-A) Elemente lizensiert werden, die nicht von einer weiteren Onset-Struktur stammen dürfen. Die Kreuzlizensierung schwächt die Lizensierungsfähigkeit des davor liegenden Vokals. [3]

Das ist eine Struktur, die in einer menschlichen Sprache nicht möglich ist  [4] , und eine Abfrage in der größten phonologischen Datenbank (Uhura 2014) bestätigte das (mit der berühmten Ausnahme des Luo). Erst seit es eine (bisher) rudimentäre Untersuchung der klingonischen Sprache gibt, ist es möglich, einen Vergleich zwischen menschlichen und nicht-menschlichen Sprachen zu treffen. Und gerade leere Onsets sind ein spezielles Phänomen, das in einem Aufsatz von Sisko 2047 beschrieben wurde: die klingonische Sprache enthält viel mehr leere Kategorien als alle menschlichen Sprachen, einschließlich der leeren Onsets in einer Position vor einem kreuzlizensiertem Nukleus. Ein Natürlichkeitstheoretiker könnte nun folgern, daß die Hyperlizensierung von Leerstellen durch Klingonen mit ihrer Physiognomie (z.B. der stärkeren Verknöcherung der Mundpartie) zu tun hat. Generative Theorie (auf die sich dieser kurze Aufsatz bezieht) hat aber allein mit kognitiven Strukturen zu tun. [†] Als zusätzliches Argument kann gelten, daß es bisher nur eine Untersuchung der klingonischen Sprache gibt. Seit dem berühmten Fortalezza-Vorfall wissen wir zwar einiges über die Existenz intelligenter nicht-menschlicher Humanoider (Vulkanier etc.), aber nur über das Klingonische gibt es (rudimentäre) linguistische, insbesonders phonologische Untersuchungen.

Der Name "Öller" ist somit ein Beweis, daß es bereits in früheren Zeiten Besuche von Außerirdischen gegeben haben muß, wobei meiner Ansicht nach nicht ausgemacht ist, daß es sich dabei um Klingonen handelte.

 

Bibliographie

1. Picard, Jakob (2045): Crosslicensing in Luo. Linguistics 77, pp. 167–199.

2. Ploch, Stefan (1999): The element A and empty onsets.SOAS Working papers in Linguistics and Phonetics 9, pp. 317–389.

3. Uhura, Ilok (2014): Interactive database on human languages, part 1: Phonology. Public domain access.

4. Sisko, Benjamin (2047): Hyperlicensing of empty categories in the Clingon language. In: Whorf, Peter (ed.): Papers on the Fortalezza fragments, pp. 89–118.

 


1 Im folgenden wird der Vokal am Ende immer als "er" dargestellt, weil diese Struktur für die Diskussion keine Rolle spielt; tatsächlich handelt es sich um einen a-Schwa.
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2 Wie bereits am Ende des vorigen Jahrtausends festgestellt, spielt das Element A eine spezielle Rolle und kann aus diesem Grund keine leeren Onsets lizensieren (vgl. Ploch 1999, p. 347).
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3 Vgl. aber Picard (2045), der die Sprache Luo untersucht und postuliert hat, daß diese Struktur nur scheinbar vorkommt, indem er nachgewiesen hat, daß Wörter mit solchen Strukturen nur klitisiert vorkommen.
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4 Aus diesem Grund wird im (österreichischen) Deutschen ein Konsonant eingesetzt und die Aussprache ist eigentlich mit einem Glottisverschluß an dieser Onsetposition, also mit einem L-(Tiefton)-Element:

O1

N1

O2

N2

O3

N3

|

|

|

 

|

|

x

x

x

x

x

x

 

|

 

 

 

|

L

A,I,U

 

I,U

 

er

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Die ja bekanntlich völlig losgelöst vom Körper existieren! (Anmerkung von Ulf)
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