Christoph Vivenz
... Wiener und Antigeschöpf, ein Wiener Performanzpoet auf freiem Fuß und köstlich anzusehen, ein postmoderner Verwurf seiner Zeit. So studiert er auch Psychologie, Philosophie und Deutsche Philologie, Geschichte, Pädagogik und das Leben, seine Diplomarbeit ist das Begehren. Zuweilen nach Bluthochzeiten sich Sehnender, und doch ein ganz normaler Briefkastenbeschwerer. Mag sein, hat er Talent zum Nachtwächter in Streichholzfabriken. Hochstilisierter Waisenknabe, vielgeprügelt und als Armleuchter gut brauchbar gemacht, unterstellt er seinen Pfad nichts anderem als dem Pathos der Heiligkeit, weihräuchernder Lyrik, Kurzprosa, absurder Melodramolettomatik, wachsverschmolzener Deklamabilität, das Besäufnis von Worten, die alle das gleiche sagen. Gelegentlich erwartet er seine Verklärung.