INHALTSVERZEICHNIS

 

 


EINFÜHRUNG

Internet stellt heute ein Medium dar, das immer breitere Massen in Anspruch nehmen. Im folgenden möchte ich einige demographische Untersuchungen im Internet erwähnen, um dieses Anwachsen von Internet-Benutzern besser demonstrieren zu können.
Um überhaupt diese demographischen Daten erfassen zu können, muß zuerst definiert werden, was es bedeutet "im Internet" zu sein. "The Wizard Network Survey" greift das Thema an dem Punkt und gibt folgende Definitionen:
"On the Internet means that there is a listing for a hostname and IP address on a name server. The machine does not actually have to exist, but by virtue of its mention on a name server, it is counted.
On the Internet means that the machine is both listed on a name server and is responding to 'ping', an Internet utility to determine if a machine is on and connected to the network. This will exclude machines that are behind restrictive firewalls (a way of increasing network security) or machines that are not on at the time of the pinging."
(
http://www.mit.edu:8001/people/mkgray/net/internet-growth-summary.html)
Man kommt zu verschiedenen Daten, wenn man sich die eine oder andere Definition als Ausgangspunkt nimmt. Laut der ersten Definition:

9.5 million hosts on the Internet in January 1996

4.9 million in 1995

2.2 million in 1994

1.3 million in 1993

Laut der zweiten Definition:

1.7 million hosts on the Internet in January 1996

1.0 million in 1995

0.6 million in 1994

less than 0.4 million in 1993

Daß der Internet aber ein unglaublich schnell wachsendes Medium ist sieht man anhand der folgenden Daten, die für Juni 1998 "geschätzt" wurden: (http://www.nua.ie/surveys/how_many_online/index.html)

World Total

129.5 million

Africa

800,000

Asia/Pacific

19.3 million

Europe

31.2 million

Middle East

0.75 million

Canada & USA

70 million

South America

7.25 million

 Die Chat-Kommunikation stellt wahrscheinlich den interessantesten Aspekt der Internet-Kommunikation dar. Die Interaktionen im Chat unterscheiden sich von denen in "real life" in verschiedener Hinsicht. In erster Linie fehlen Interaktionselemente wie Mimik, Gestik, Ton der Stimme. Die Bewegungen, das Auftreten einer Person, die uns viele Informationen über sie liefern fallen aus. Dadurch ist man ausschließlich auf die schriftliche Ausdruckskraft angewiesen. Man fühlt sich beengt und zugleich auch beschützt, weil die Chat-Partner von einem nichts wissen können, was man auch nicht selber geschrieben hat. Man tritt in einem Chat-room mit seinem Nickname auf, was diesen Namen eine wichtige Rolle bei der Selbstpräsentation gibt. (s. auch Nickname) Ein weiterer Punkt ist, daß man von anderen Chat-Benutzern nicht unmittelbar wahrgenommen wird. So werden Gefühle und Reaktionen (z.B. lachen, sich ärgern oder aber Blicke!) im nachhinein in die Schrift übersetzt, was einem manchmal ziemlich lästig und auch eigenartig erscheinen kann. Dieser Umstand könnte möglicherweise Einflüsse auf die natürliche Reaktionsweise haben, was man aber in einer eigenständigen Studie untersuchen müßte. (s.auch http://www.univie.ac.at/Soziologie-GRUWI/richter/ende9798/rixta.htm)
In der folgenden Untersuchung habe ich versucht, die Eigenart dieser Art von Kommunikation zu erfassen zu erklären.

 FRAGESTELLUNG

Ich habe mit Hilfe dieser Untersuchung versucht, Antworten auf die folgenden Fragen zu finden:

Wer verwendet die Chat-rooms und die Chat-Programme?
Seit wann verwendet man diese Chat-rooms und Chat-Programme?
Mit wem kommuniziert man?
Wie wird der Einfluß der ausschließlich schriftlichen Kommunikation eingeschätzt?
Was für Beziehungen entwickelt man bei einer Chat-Kommunikation?
Hat man negative Erlebnisse gehabt?
Wieviele Personen machen "gender-switch"? Warum?
Merkt man bei der eigenen Kommunikation einen Unterschied zwischen der persönlichen und Chat-Kommunikation?

Außerdem wurden folgende Hypothesen formuliert:

H1.1: Es gibt einen geschlechtsspezifischen Unterschied bezüglich verschiedener Variablen:

Verwendungsdauer; Tendenz zu "gender-switch"; ob man jemandem getroffen hat, den man im Chat kennengelernt hat; negatives Erlebnis; "unseriöse" Kommunikation; Unterschiedsempfinden zwischen der persönlichen und der Kommunikation im Chat.

H1.2: Es gibt einen Unterschied zwischen den Personen, die "gender-switch" machen und denen, die es nicht machen, bezüglich der Verwendungsdauer.

H1.3: Es gibt einen Unterschied zwischen den Personen, die finden, daß der Mimikmangel einen Einfluß auf die Kommunikation hat, und den Personen, die das nicht so empfinden bezüglich der Verwendungsdauer.

METHODE

Um die Fragestellungen zu erläutern bereitete ich einen Fragebogen in Form eines e-mails vor, der die erforderlichen Informationen erheben soll. Da ich über meine Bekannt und Freunde aus der Türkei die Möglichkeit hatte, viele potentielle Befragungsteilnehmer zu erreichen, bereitete ich den Fragebogen in zwei Sprachen, auf Deutsch und auf Türkisch. Diese Fragebögen wurden mit einer Erklärung und mit der Bitte, sich an der Befragung zu beteiligen, geschickt.(s. Anhang)
Der Fragebogen enthielt sowohl Fragen, die man mit "ja" oder "nein" beantworten konnte, als auch offene Fragen oder Erklärungsaufforderungen bei den dichotomen Fragen.

STICHPROBE

Die Stichprobe wurde in erster Linie aus Personen zusammengesetzt, die mit Hilfe verschiedener Suchmaschinen der Chat-Programme und Chat-rooms zufällig ausgewählt wurden. Außerdem schrieb ich Bekannte und Freunde an, die selber Chat-Programme oder Chat-rooms verwenden. Bei der Suche gab ich zufällig häufig vorkommende Namen ein und schrieb die Personen, die die Suchmaschine fand, mit der Bitte an, sich an dieser Befragung zu beteiligen. Außerdem bat ich in meinem Brief auch, den Fragebogen weiterzuschicken, wenn man jemanden kennt, der auch Chat-Rooms oder Chat-Programme verwendet. Dieser Bitte wurde außer einer Person nur von meinen Freunden Folge geleistet.

Die Stichprobe setzt sich aus 20 weiblichen und 34 männlichen Versuchspersonen. Obwohl diese beiden Stichproben nicht gleich groß sind, zog ich sie zum Vergleich hinzu. Dieser Umstand muß bei der Interpretation berücksichtigt werden. Der jüngste Befragte war 13 Jahre alt und der älteste Befragte 55 Jahre alt. Aber außer einer Person (55 Jahre) lagen die Befragten zwischen 13 und 32 Jahre alt.
Geschlechtsaufteilung
Altersaufteilung
Die Stichprobe besteht fast ausschließlich aus Schüler, Studenten und Personen mit Berufen, die mit EDV zu tun haben.

DURCHFÜHRUNG DER UNTERSUCHUNG

Nach einer kurzen Vorbereitungsphase für den Fragebogen fing ich an sie abzuschicken. Nach und nach kamen die Antworten zurück Die offenen Fragen wurden zusammengefaßt und inhaltlich analysiert.
Die Verwaltung und Analyse der Daten erfolgte mit dem Statistik Programm "SPSS for Windows 7.0". Die Daten wurden mit diesem Programm statistisch erfaßt und analysiert. Um die Signifikanz der Ergebnisse zu testen, verwendete ich den Chi-Quadrat-Test. Die dichotomen Antworten wurden folgendermaßen kodiert:
"ja" = 1
"nein" = 0
Die Variable "Verwendungsdauer" faßte ich zu folgenden Gruppen zusammen, um einen besseren Überblick zu erhalten und einen Vergleich zu ermöglichen:
0-6 Monate = 1
6-12 Monate = 2
12-24 Monate = 3
über 24 Monate = 4
Es war ein wenig problematisch, die Daten aus den ausgefüllten Fragebögen in das Programm SPSS einzugeben. Es gäbe wahrscheinlich eine praktischere Möglichkeit, für die mir leider die EDV-Kenntnisse fehlten.

ERGEBNISSE DER UNTERSUCHUNG UND INTERPRETATION

Nickname: Bei den Nicknames überwiegen englische Personennamen und Bezeichnungen. Die wenigsten verwenden ihren eigenen Namen, eine Abkürzung oder Umwandlung von ihm. Der Name stellt im Chat, im Gegensatz zu "real life", den ersten Eindruck dar. Öfters werden Chat-Partner allein nach dem Namen gewählt. Im Zusammenhang mit "gender-switch" ist es auch wichtig, ob man weibliche oder männliche Namen angibt. (s."Gender-switch") Man könnte diesen Namen vielleicht mit der Kleidung eines Menschen vergleichen, wobei man natürlich in diesem speziellen Fall "Nickname" eine viel flexiblere Variante zur Verfügung hat. Anscheinend schlägt sich der Wunsch, sich "gut" zu präsentieren, in erster Linie in Form des Nicknames nieder. Man möchte soviel wie möglich und so interessant wie möglich Information in den Nickname reinbringen und somit den Chat-Partnern vermitteln.

Sprache: Auf die Frage, welche Sprache bevorzugt wird, kam bei 24 Befragten "Muttersprache" als Antwort und in der gleichen Anzahl, daß die Sprache keinen Unterschied machen würde. Lediglich 5 Befragte gaben an, daß sie eine Fremdsprache bevorzugen. Graphik Im Internet ist die dominierende Sprache Englisch. Die Chat-Kommunikation erfolgt, wie man es im folgenden Graphik sieht auch überwiegend auf Englisch. Dabei ist aber zu beachten, daß 38 Personen in der Stichprobe aus der Türkei stammen und Englisch dort die erste Fremdpsrache ist. 48 der Befragten verwenden Englisch, wenn sie in einer Fremdsprache kommunizieren, 13 auf Deutsch (ausschließlich Befragte mit türkischer Muttersprache) und 4 auf Französisch. Angegeben wurden auch Sprachen wie Russisch und Italienisch.

Welche Programme/Chat-rooms: Verwendet werden überwiegend die Programme IRC und ICQ. Während IRC eher als ein Chat-room Programm verstanden werden kann, ist ICQ ein persönlicheres Programm, die ich persönlich mit dem sogenannten "Stammlokal" vergleichen würde.
Im IRC sind bestimmte Chat-rooms enthalten - wie "romanticwind", "berlin","blue", etc...-, wobei man im ICQ eine Kontaktliste hat und die Möglichkeit hat, nur die Personen in seine Liste aufzunehmen, die man möchte. Unbekannte zu treffen ist im ICQ schwieriger als im IRC, da man im IRC, wenn man in ein Chat-room einsteigt, sofort mit etlichen Unbekannten konfrontiert wird.
31 Personen gaben an, daß ihnen die Chat-rooms oder Chat-Programme von Bekannten empfohlen/kopiert wurden. 22 hingegen haben sie selber gefunden.
Graphik

Kommunikationspartner und -wege: Bekannte, die außerhalb der Stadt oder im Ausland sind, nehmen den größten Platz unter den Leuten an, mit denen man kommuniziert.42 Personen gaben an, daß sie mit Personen kommunizieren, die sie im Chat kennengelernt haben und außerhalb ihrer Stadt oder im Ausland leben. 35 Personen haben angegeben, daß sie auch mit Bekannten kommunizieren, die in der selben Stadt leben. Diese Entfernungsüberbrückungsfunktion des Internets und im besonderen des Chats ist für mich persönlich ihre beeindruckendste und nützlichste Funktion. So habe ich im Chat jemanden mit dem selben Nachnamen (ein sehr seltener Name) wie ich getroffen, der in Kanada lebt und ursprünglich aus Irak kommt!
Außer 10 Befragten verwenden alle Befragte auch andere Kommunikationsmittel als der Internet. Alle von ihnen verwenden das Telephon, um die Stimme des Anderen zu hören oder wichtige Nachrichten zu übermitteln. Daraus kann man schließen, daß die Kommunikation ausschließlich über den Internet doch nicht ausreichend gefunden wird.

Verwendungsdauer: 3 Befragte verwenden die Chat-Programme seit 0-6 Monaten, je 21 Befragte seit 6-12 und 12-24 Monaten und 9 Befragte seit über 24 Monaten.Graphik Während mehr als die Hälfte der Männer (16) Chat-rooms oder Chat-Programme seit 12-24 Monaten verwenden, verringert sich die Zahl der Frauen mit dem Ansteigen der Verwandungsdauer. Diese Hypothese des geschlechtsspezifischen Unterschieds habe ich mit Hilfe eines Chi-Quadrat-Tests überprüft und habe kein signifikantes Ergebnis erhalten. Aber der niedrige Wert im Pearson Chi-Quadrat-Test (0,129) weist auf eine Tendenz hin, die bei einer größeren Stichprobe zur Geltung kommen könnte. Graphik

Gender-switch: Von den 54 Befragten fehlten bei 4 die diesbezügliche Angabe. 17 gaben an, daß sie schon einmal "gender-switch" gemacht haben, und 17, daß sie noch nie sowas versucht haben. Viel mehr Männer als Frauen gaben an, daß sie nie "gender-switch" gemacht haben. Graphik Beim Chi-Quadrat-Test kam aber kein signifikantes Ergebnis heraus. Die Leute, die angegeben haben, "gender-switch" zu machen, gaben meistens als Grund "Neugierde" an. Die Meisten wollen erfahren, wie die Leute auf das andere Geschlecht reagieren. Einige der Befragten (alles Frauen) gaben an, daß sie "gender-switch" machen, um nicht belästigt zu werden. Viele aber finden das "unehrlich" oder "unfair" gegenüber anderen Chat-Benutzern, was daraufhin deutet, daß die Chat-Benutzer sich in der Anonymität nicht völlig "gehen lassen". Eine Interpretationsmöglichkeit wäre, daß die Leute sich von ihrer Identität nicht loslösen können und/oder wollen. Um aber diese Hypothese zu überprüfen, wären andere Untersuchungen notwendig. Eine interessante Antwort war:
"Sowas ist Geäffel, was nur Newbies zusammenbringen... Was, wenn ich meine Traumfrau kennenlernen könnte (was ja auch passiert ist), aber das verpasse, weil ich mich als Frau präsentiere? Alos lass' ichs gleich."
Wenn man "gender-switch" und Verwendungsdauer gegenüberstellt bekommt man folgende Zahlen: Sowohl bei den Leuten, die "gender-switch" machen, als auch bei denen, die es nicht machen, kommen die meisten aus der Gruppe in der Stichprobe, die Chat-rooms oder Chat-Programme seit 6-12 Monate verwendet. Es gibt nur einen ganz geringen Unterschied mit der Gruppe, die seit 12-24 Monate Chat-rooms verwendet. Laut Pearson-Chi-Quadrat-Test sind diese Unterschiede aber nicht signifikant.

Negatives Erlebnis: 30 Personen hatten schon mal ein negatives Erlebnis in den Chat-rooms oder Chat-Programmen. 21 gaben an, daß sie nie ein negatives Erlebnis gehabt haben. Graphik Es waren meistens Belästigungen oder Beschimpfungen. Eine Person gab an, daß ihm gedroht wurde aber näheres berichtete er darüber nicht. Eine interessante Antwort war, daß in einem bestimmten Chat-room über jemandem schlecht geredet wird. Dies brachte mich zu der Erkenntnis, daß die Chat-rooms, obwohl sie sicher ihre ganz eigene Dynamik haben, vielleicht doch nicht so verschieden von den Gruppen in "real life" sind. Während bei den Männern 19 kein negatives Erlebnis hatten, und 14 doch, sind es bei den Frauen 11, die kein negatives Erlebnis hatten und 7, die doch ein negatives Erlebnis hatten. Graphik Bei der Überprüfung dieser Ergebnisse mittels eines Chi-Quadrat-Tests wurden aber keine signifikanten Ergebnisse erhalten.

"Unseriöse" Kommunikation: Eine überwiegende Mehrheit gab an, daß sie schon ein mal "unseriös" kommuniziert hat. 39 von 54 Befragten haben sich schon ein mal Scherze mit anderen Chat-Benutzern erlaubt.13 gaben an, daß sie so etwas noch nie gemacht haben. Graphik In diesem Punkt sieht man auch einen geschlechtsspezifischen Unterschied. Während 5 männliche Befragte noch nie "unseriös" kommuniziert haben und 28 doch, ist dieses Verhältnis bei den Frauen 8 zu 11. Graphik Dieser Unterschied machte sich auch durch ein signifikantes Ergebnis (Pearson Chi-Square 0,031)beim Chi-Quadrat-Test bemerkbar, so daß ich die diesbezügliche H1 beibehalten konnte. Die Wahl der Personen diesbezüglich sieht folgendermaßen aus: 15 Personen bevorzugen bekannte Personen, 11 Personen Unbekannte und 12 Personen beide Personengruppen. Graphik

Unterschiedsempfinden zwischen persönlicher und Chat-Kommunikation: In diesem Punkt teilt sich die Stichprobe genau in zwei Teile. 26 Personen empfinden einen Unterschied zwischen ihrer persönlichen Kommunikation in "real life" und ihrer Chat-Kommunikation und 26 Personen empfinden diesbezüglich keinen Unterschied, wobei bei 2 Befragten die Angabe fehlte. Graphik Geschlechstsspezifisch findet man folgende Aufteilung: 15 Männer und 11 Frauen finden keinen Unterschied zwischen ihrer persönlichen und Chat-Kommunikation. 18 Männer und 8 Frauen finden einen Unterschied. Graphik Ein Chi-Quadrat-Test zeigte aber, daß das kein signifikantes Ergebnis darstellt.

Persönliches Treffen: 39 Befragte gaben an, daß sie schon jemandem persönlich getroffen haben, die sie im Chat kennengelernt haben, 13 hingegen nicht. Graphik Überwiegend dauern die Bekanntschaften immer noch, die man auf die persönliche Ebene getragen hat. Man empfindet es allgemein angenehm, daß man die Leute auch außerhalb trifft, da man vieles persönlich besser vermitteln kann. Interessant fand ich die sogenannten "Channel-Parties", bei denen sich die Leute aus einem bestimmten Chat-room regelmäßig treffen. Durch diese Feste bleiben die Chat-Benutzer auch persönlich in Kontakt und führen dabei die Chat-Kommunikation fort. Einen Unterschied in der Kommunikation fanden 20 Personen. 10 gaben an, daß sie sich mit den Personen, die sie im Chat kennengelernt haben, persönlich besser verstanden haben, 4 schlechter. Graphik
Einen geschlechtsspezifischen Unterschied konnte ich dabei nicht feststellen.(kein signifikantes Ergebnis beim Chi-Quadrat-Test) 9 Männer und 4 Frauen haben angegeben, niemanden getroffen zu haben, den sie im Chat kennengelernt haben und 24 Männer und 15 Frauen haben doch jemanden getroffen. Graphik

Mimikmangel: 31 Befragte finden, daß der Mimikmangel ihre Kommunikation nicht beeinflußt. 22 hingegen finden, daß die ausschließlich schriftliche Kommunikation doch einen Einfluß hat. Graphik Wenn man diese Variable mit der Verwendungsdauer gegenüberstellt, sieht man, daß sich die Anzahl der Personen, die einen Einfluß des Mimikmangels empfinden, leicht verringert, während die Verwendungsdauer steigt. Um das zu überprüfen führte ich ein Chi-Quadrat-Test durch, erhielt aber kein signifikantes Ergebnis, daß man sagen könnte, daß der Mimikmangel mit dem Ansteigen der Verwendungsdauer keine Rolle mehr spielt.
32 Befragte empfinden auch einen Unterschied bezüglich dieses Mangels zwischen den Personen, die sie kennen und den Personen, die sie nicht kennen. 17 empfinden diesbezüglichen keine Unterschied. Fast alle gaben an, daß sie die Mimik und Reaktionen von Leuten, die sie kennen erahnen können, wobei dies bei Leuten, die sie nicht kennen nicht der Fall ist.
Um diesen Mangel zu umgehen bedient man sich textlicher Ausdrücke wie:
:)) lachen/lächeln, :( traurig, :~~( weinen, *lol*, *grr*, *rofl*, *knuddel*, *langweil*, *heul*, *traurig*, *rotwerd*, *angstkrieg*, *freu*, *g*, *eg*, *veg*, etc....

Maschinenschreiben: 30 Befragte gaben an, daß sie nicht maschinenschreiben können und 23 doch. Graphik 21 Personen unter den Befragten, die maschinenschreiben können, meinten, daß ihre Maschinenschreibkenntnisse einen Einfluß auf ihre Kommunikation haben. 9 Personen meinten, es würde ihre Kommunikation nicht beeinflussen. 7 Befragte unter den Personen, die nicht maschinenschreiben können, meinten, daß es keinen Einfluß haben würde. Graphik

Alte Bekannte getroffen?: In dieser Hinsicht verteilen sich die Befragten fast gleichmäßig. 24 Befragte gaben nämlich an, daß sie im Chat niemanden getroffen haben, den sie seit langem gesehen haben und 27 Befragte doch. Graphik So sehen wir, daß Internet und im besonderen Chat zu fast 50% eine Möglichkeit darbietet, Bekannte zusammenzubringen, die sich vielleicht aus den Augen verloren haben.Um dabei die Rolle des Internets festzustellen, stellte ich diese Antworten denen auf die hypothetische Frage "Gäbe es einen Unterschied, wenn Sie diesen alten Bekannten, in einer anderen Situation getroffen hätten?" gegenüber. Graphik Die 14 fehlenden Antworten bei der "nein"-Gruppe können wir außer Acht lassen. Da diese Personen niemanden getroffen haben, gaben sie wahrscheinlich auch keine Antwort auf die hypothetische Frage. Unter den 10, die doch antworteten, meinten 8, daß es keinen Unterschied machen würde, wenn sie diese Person in einer anderen Situation getroffen hätten. 2 hingegen meinten, es würde doch einen Unterschied machen. Die Mehrheit (15) der Personen, die eine alte Bekannte getroffen haben, gaben an, daß es nicht anders gewesen wäre, wenn sie diese Person in einer anderen Situation getroffen hätten.12 Befragte glauben nicht daran, daß es einen Unterschied machen würde. Bei dieser Frage sollte man aber auch beachten, daß der Bekanntheitsgrad dabei eine beachtliche Rolle spielen muß. Wobei man vermutlich mit Personen, mit denen man nicht eng befreundet war, diesbezüglich keine Unterschiede erleben würde, würden mit Personen, die man wenig oder flüchtig kannte, doch Unterschiede auftreten.

QUELLENVERZEICHNIS

Richter, Rudolf: Grundlagen der verstehenden Soziologie: Soziologische Theorien zur interpretativen Sozialforschung. Wien:WUV-Universitätsverlag, 1995.

http://www.mit.edu:8001/people/mkgray/net/internet-growth-summary.html

http://www.nua.ie/surveys/how_many_online/index.html

http://www.univie.ac.at/Soziologie-GRUWI/richter/ende9798/rixta.htm

 

ANHANG

Der Fragebogen:

Hallo!
Ich mache im Rahmen eines soziologischen Seminars eine Untersuchung über die Chat-Kommunikation im Internet.Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie die folgenden Fragen beantworten und mir zurückschicken könnten. Wenn Sie andere Personen kennen, die auch "chat-rooms" oder Chat-Programme verwenden, schicken Sie den Fragebogen bitte weiter.
Der Fragebogen besteht aus 22 Fragen. Manche Fragen sind offen gestellt, bei anderen müssen Sie neben der von Ihnen gewählten Antwort ein (x) machen. (Bei Fragen, die mit einem (*) versehen wurden, können Sie mehrere Antworten wählen.)
Ich bedanke mich im voraus.

Zeynep BARAZ
Universität Wien - Soziologie+ Psychologie
e-mail: a9406029@unet.univie.ac.at

Zuerst ein Paar persönliche Daten:
Alter:
Geschlecht:
Beruf/Studium:
Nickname:
(wenn Sie mehr als ein Nickname haben, schreiben Sie bitte alle!)

1) Seit wann verwenden Sie "Chat-rooms" oder Chat-Programme?
2) Durch wen oder was haben Sie diese "Chat-rooms" oder Chat-Programme gefunden?*
a) Ich habe sie selber gefunden.
b) Bekannte haben sie mir empfohlen/ gezeigt/ kopiert.
3) Welche Chat-Programme oder "chat-rooms" verwenden Sie?
4) Die Personen, mit denen Sie kommunizieren:*
a) Bekannte, die im Ausland oder außerhalb meiner Stadt leben.
b) Bekannte, die in der selben Stadt leben wie ich.
c) Personen, die ich im "Chat-room" kennengelernt habe, die im Ausland oder außerhalb meiner Stadt leben.
d) Personen, die ich im "Chat-room" kennengelernt habe, die in meiner Stadt leben.
5) Pflegen Sie mit den Personen, mit denen Sie im Chat kommunizieren auch Kontakt durch andere Kommunikationsmitteln?
a) Nein
Ja:
b) Telephon:*
b1) um ihre Stimme zu hören.
b2) um eine wichtige Nachricht persönlich zu übermitteln.
b3) andere Gründe: (Bitte erläutern!)
c) Post:*
c1) um Dinge zu schicken, die über das Internet nicht geschickt werden können.
c2) andere Gründe: (Bitte erläutern!)
6) Wenn Sie die Wahl haben, welche Sprache wählen Sie beim Chat?
a) Muttersprache
b) Fremdsprache
c) Macht keinen Unterschied
7) Wenn Sie in einer fremden Sprache kommunizieren, welche Sprache/n ist/sind das?*
a) Englisch
b) Französisch
c) Italienisch
d) andere: (Bitte notieren!)
8) Können Sie Maschinenschreiben?
a) Ja
b) Nein
9) Hat der Grad Ihrer Maschinenschreibkenntnisse einen Einfluß auf Ihre Kommunikation? Wenn ja bitte erläutern!
10) Hat es einen Einflußauf Ihre Kommunikation, daß Chat nur eine schriftliche Kommunikation ist ( daß sie die Mimik und Gestik des Anderen nicht sehen können)?
a) Ja
b) Nein
11) Gibt es bezüglich diesem Einfluß, von dem in der letzten Frage die Rede war, einen Unterschied zwischen der Kommunikation mit den Personen, die Sie kennen und mit Personen, die Sie nicht kennen?
a) Ja
b) Nein
Bitte erläutern!:
12) Wie versuchen Sie diesen Mangel an Mimik, Gestik, etc. umzugehen? Bitte erläutern!
13) Haben Sie bis jetzt je im Chat jemanden getroffen, den sie seit langem nicht gesehen haben?
a) Ja
b) Nein
14) Gäbe es einen Unterschied, wenn Sie diesen alten Bekannten, in einer anderen Situation getroffen hätten?
a) Ja
b) Nein
15) Haben Sie sich je persönlich mit jemandem getroffen, die Sie beim Chat kennengelernt haben?
a) Ja
b) Nein
16) Wenn Sie sich getroffen haben, wie lange hat es gedauert?
17) Was für Unterschiede haben Sie zwischen Ihrer Kommunikation beim Chat und Ihrer persönlichen Kommunikation mit dieser Person bemerkt?
a) Es gab keinen Unterschied.
b) Persönlich haben wir uns nicht verstanden.
c) Persönlich haben wir uns besser verstanden.
Bitte erläutern!:
18) Hatten Sie im Chat je ein negatives Erlebnis? (wie Belästigungen, etc...)
a) Ja
b) Nein
19) Haben Sie je "gender switch" (geänderte Geschlechtsangabe) gemacht?
a) Ja
b) Nein
Bitte Grund angeben!:
20) Haben Sie im Chat je "unseriös" kommuniziert? (Scherze mit anderen Personen gemacht, etc...)
a) Ja
b) Nein
21) Wenn ja, waren das Bekannte von Ihnen oder nicht?
a) Bekannte
b) unbekannte Personen
Und als letztes:
22) Können Sie einen Unterschied zwischen Ihrer normalen persönlichen Kommunikation und Ihrer Kommunikation im Chat feststellen?
a) Ja
b) Nein
Bitte erläutern!:
VIELEN DANK DASS SIE IHRE ZEIT GEOPFERT HABEN!!