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Geschichte der Astronomie

Griechenland

Die ersten Spuren "wissenschaftlicher" kosmologischer Vorstellungen der Griechen sind noch im Mythos eingebettet. Bei Hesiod (7.Jh.v.Chr.), dem "Bauerndichter", ist die Erde eine runde, vom Okeanos umflossene Scheibe, über der sich der gewölbte, eiserne Himmel als Halbkugel wölbt, deren Halbmesser ungefähr die Dimensionen des Erscheibenradius hat. Unter der Erde, gleichfalls als Halbkugel angenommen, befindet sich der Tartaros. Hesiod vertritt die nicht näher begründete Auffassung, daß ein Meteor vom höchsten Punkt des Himmelsgewölbes bis auf die Erde neun Tage freien Falls benötigt. Außerhalb der Himmelskugel erstreckt sich gähnende Leere, das Chaos.

Thales gilt als Begründer einer wissenschaftlichen Naturbetrachtung, die dem modernen Wissenschaftsbegriff im Prinzip entspricht. Während bei Thales die Erde auf dem Wasser schwimmt, taucht sie bei Anaximander aus dem Wasser dadurch empor, daß Wasser verdunstet. Und dieser Dunst wiederum umgibt die Erde und bringt die bekannten meteorologischen Erscheinungen (Nebel, Wolken, Wind; kurioserweise auch die Sonnenwenden) hervor. Im Gegensatz zur ursprünglich irrationalen göttlichen Verehrung der Himmelskörper liegt bei Anaximander ein eindeutig rationaler Erklärungsversuch vor. Die Erdscheibe deutet der Milesier als kurzen Zylinderstumpf, anstelle des Hesiodschen Chaos setzt er das "Apeiron"; dieses besitzt (wie das Chaos) Unsterblichkeit und altert daher nicht, es ist der Schöpfer des Materiellen der Welt.

Anaximenes von Milet (gestorben ~ 528/25 v.Chr.) schließt an Anaximander an, doch spezifiziert er das "Apeiron" und macht daraus das "Apeiron Aer", die unermeßliche Lufthülle. Daher ist der Ursprung alles Seins die Luft, die nicht Urstoff oder Element sondern ein lebendiges Prinzip ist. Die Erde stellt sich Anaximenes als ganz flache Platte vor, die von der Luft getragen wird. Die Sterne sind wie Nägel an der eisartigen Himmelsschale befestigt. Die Bewegung von Sonne und anderen Himmelskörpern wird nicht als Untertauchen unter die Erde, sondern als verschwinden hinter höheren Erdteilen und als Bewegung um die Erde herum gedeutet. Bemerkenswert ist, daß Anaximenes als erster behauptet hat, daß der Mond sein Licht von der Sonne erhält.

Einige Vorsokratiker haben Vorstöße in die Himmelsphysik unternommen, die erwähnenswert sind:
Anaxagoras von Klazomenai (gestorben 428/27 v.Chr.) etwa hat die Sonne als glühende Steinmasse gesehen, und Demokrit von Abdera, einer der Begründer der antiken Atomistik, vertrat die Ansicht, daß die Milchstraße das in eins fließende Leuchten zahlloser, sehr weit entfernter Sterne sei.

Aristarchos von Samos (um 310 - um 230 v.Chr.) entwickelte ein heliozentrisch-heliostatisches Weltmodell. Er rückte die Sonne in den Mittelpunkt des Alls und hatte auch bereits eine klare Vorstellung vom Material dieses zentralen Körpers: er berechnete für die Sonne das 30fache Volumen der Erde. Seine richtigen Argumente (Erdrotation in 24 Stunden, Kreisbahn der Erde um die Sonne im Laufe eines Jahres, Statik von Sonne und Fixsternen) hat sich erst Nicolaus Copernicus zueigen gemacht.

Eratosthenes (276-195 v.Chr.) ermittelte durch Bestimmung der Mittagshöhe der die Breitendifferenz zwischen Alexandria und Syene in Ägypten (7,5°). Da er die Entfernung der Orte kannte, berechnete er zum ersten Mal den Gesamtumfang der Erde mit 39.690 km. (Der tatsächliche Erdumfang beträgt im Mittel 40030 km.)

Hipparchos (um 190 bis um 125 v.Chr.), der der bedeutendste beobachtende Astronom der Antike war und dem die Erfindung des Astrolabiums zugeschrieben wird, hat mit seinem 850 Fixsterne erfassenden Katalog ein Sternverzeichnis geschaffen, das die Grundlage aller späteren Verzeichnisse bis Copernicus geblieben war. Durch Auswertung überlieferter und eigener Beobachtungen der Äquinoktien und Solstitien fand Hipparchos die Präzession, dh. (geozentrisch) das Vorrücken des Frühlingspunktes gegen die jährliche Sonnenbewegung.

Claudius Ptolemaeus (um 100 bis 160 n.Chr.) gab dem Exzenter-Epzykelmodell die endgültige Form und hat es in seiner großen Himmelskunde, der "Megalè syntaxis mathematiké", welche die Araber später "Almagest" nannten, kanonisiert. Der "Almagest", die erste systematische Darstellung der antiken mathematischen Astronomie, wurde für das ganze Mittelalter zum Klassiker und Standardwerk (Erstdruck 1496). Ptolemaeus hatte in seiner "Syntaxis" nur ein mathematisch-geometrisches Modell der Bewegungen der Himmelskörper geboten und erst in einer späteren Schrift, den "Hypotheses planetarum" eine Himmelsmechanik und -physik zu entwerfen versucht.