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Johannes Kepler wurde als eines von sieben Kindern am 16. Mai 1571 in Weil der Stadt in Württemberg geboren. 1576 begann ein ruheloses Umherziehen der Eltern zwischen Leonberg, Ellmendingen und wieder Leonberg, sodaß Kepler die Schule nur unregelmäßig besuchen konnte und war damit erst mit dreizehn in der Lage, in die Klosterschule Adelberg einzutreten.
1589 folgte das Studium der Theologie, Mathematik und Astronomie in Tübingen. Mit 20 Jahren erlangte er den Grad des Magisters, doch bevor er seine Abschlußprüfung ablegen konnte, wurde ihm die Stelle eines Lehrers der Mathematik und Astronomie in Graz angeboten. Vielleicht um den streitbaren jungen Mann loszuwerden, der einen schlechten Geistlichen, dafür aber einen guten Lehrer abgeben würde.
Obwohl Kepler zuerst ablehnen wollte, kam er dreiundzwanzigjährig nach Graz. Dort kam ihm auch die Idee zu seinem ersten großen Werk, dem "Mysterium Cosmographicum" (Geheimnis des Kosmos). Im Februar 1596 lagen die Rohabzüge des Buches vor, welche unter der Aufsicht von Keplers Lehrer Michael Mästlin gedruckt worden war. Als das "Mysterium" im Frühjahr 1597 endlich im Druck erschien, sandte der junge stolze Autor allen führenden Gelehrten Exemplare, sogar an Galilei und Tycho de Brahe.
Der Erfolg war bemerkenswert gut, die Aufnahme, die es fand, war indessen nicht überraschend. Noch nie hatte ein Astronom wie Kepler die physikalischen Ursachen der Bewegungen, die Kräfte der Natur, die sich dahinter verbergen, zu berechnen versucht. Die Aufgabe des Astronomen bestand darin, zu beobachten, zu beschreiben und vorauszusagen, doch nicht nach Ursachen zu suchen. Die Meinungen der Gelehrten waren je nach geistiger Haltung geteilt, so lehnte Galilei Keplers Werk von Anfang an ab. Ein einziger erkannte den wahren Wert des Buches, obwohl er Keplers Spekulationen verwarf: Tycho de Brahe. Tycho war daran interessiert, Kepler als Mitarbeiter zu gewinnen. Er schickte ihm deshalb eine Einladung, doch Kepler war schon unterwegs zu ihm nach Prag.
Jedes seiner Instrumente kostet mehr, als was mein und meiner Familie Vermögen zusammen ausmacht. Meine Meinung über Tycho ist die: Er ist über die Maßen reich, weiß aber keinen rechten Gebrauch davon zu machen, deswegen muß man versuchen, ihm seine Reichtümer zu entwinden.
Mit diesem Ausspruch enthüllte Kepler seine Ansichten gegenüber Tycho de Brahe,
ein Jahr bevor sich die beiden Männer das erste Mal begegneten. Am 4. Februar
1600 standen sich die beiden so gegensätzlichen Charaktere gegenüber. Zum ersten
Mal arbeitete Kepler mit so genauen Daten, daß er begreifen konnte, was Präzision
in der Astronomie wirklich bedeutete. Doch Tycho war ziemlich geizig, was die
Herausgabe seiner Daten betraf.
Achtzehn Monate dauerte die Verbindung zwischen Kepler und Tycho, bis zu Tychos Tod. Während dieser Zeit reiste Kepler zweimal nach Graz, um seine Angelegenheiten in Ordnung zu bringen. Bei einer dieser Reisen beobachtete er eine Sonnenfinsternis mit einer "camera obscura" (Lochkamera) auf dem Grazer Hauptplatz. Bald nach seiner Rückkehr starb Tycho Brahe 1601. Schon zwei Tage nach dem Begräbnis wurde Kepler zum kaiserlichen Mathematiker als Nachfolger Tychos ernannt. Er blieb von 1601 bis 1612, bis zum Tod Rudolphs II., in Prag. In dieser seiner fruchtbarsten Zeit, beschäftigte er sich gleichzeitig als Gründer dieser neuen Wissenschaften, mit "Instrumentaler Optik" und "Physikalischer Astronomie".
Sein wichtigstes Werk erschien 1609 und trägt den Titel "Astronomia Nova" (die neue Astronomie). Seit seiner Ankunft am Schloß Benatek arbeitete er bis 1606 mit Unterbrechungen an dem Buch. Das Buch ging 1608 in den Druck, der im Sommer 1609 in Heidelberg abgeschlossen wurde. Dieses Werk enthält die beiden ersten Planetengesetze.
1. Die Bahnen der Planeten sind Ellipsen, in deren einem Brennpunkt die
Sonne steht.
2. Der Radiusvektor (Verbindungslinie Sonne - Planet) überstreicht in
gleichen Zeiten gleiche Flächen
Sie gehören zu den Fundamenten unseres Weltbildes und waren die ersten Naturgesetze im modernen Sinn. Endlich konnte sich die Astronomie von der Theologie befreien. Im Jahr darauf wurde ihm berichtet, daß Galilei in Padua ein holländisches Fernglas auf den Himmel gerichtet hat und mittels dieser Linsen 4 neue Planeten entdeckte. Im September 1610 schrieb Kepler dann innerhalb nur weniger Wochen eine theoretische Abhandlung, in der er eine neue Wissenschaft begründete und seinen Namen für sie prägte: "Dioptrice" die Wissenschaft der Strahlenbrechung durch Linsen.
Mit dem Tod des Kaisers Rudolph II. 1612 ging Keplers fruchtbarste und ruhmreichste Zeit zu Ende und er nahm mit 41 Jahren die Stellung eines Landschaftsmathematikers in Linz an. Im Jahr 1619 erschien sein Buch "Harmonice mundi" mit seinem dritten Gesetz der Planetenbewegungen:
3. Die Quadrate der Umlaufzeiten zweier Planeten verhalten sich wie die Kuben ihrer großen Bahnhalbachsen.
Mit diesem Buch lag Keplers bahnbrechendstes Werk hinter ihm, doch er fuhr in den
ihm verbleibenden 11 Jahren unablässig fort, Bücher und Flugschriften zu
produzieren, Kalender und Ephemeriden, ein Buch über Kometen und ein anderes
über neue Erfindungen.
Zwei größere Arbeiten waren noch die "Epitome astronomiae copernicanae" und
"Rudolfinischen Tafeln". Bei den "Epitome" handelt es sich um ein Lehrbuch,
in dem die Gesetze, die ursprünglich nur für den Mars galten, auf alle anderen Planeten
übetragen werden, einschließlich des Erdmondes und der Satelliten Jupiters. Es war
Keplers umfangreichste Arbeit und bedeutendste systematische Darstellung der Astronomie
seit Ptolemäus "Almagest".
Das zweite Hauptwerk waren die lange erwarteten "Rudolfinischen Tafeln", die auf Tychos Lebensarbeit basieren, Keplers abschließende Leistung in praktischer Astronomie. Die Fertigstellung dieses Werkes wurde um beinahe 30 Jahre durch Tychos Tod und dem Streit mit dessen Erben hinausgezögert. Im Jahr 1627 lag das Buch endlich fertig vor. Es war bis tief in das 17. Jahrhundert Grundlage aller Berechnungen der Planetenbahnen.
Nach einem kurzem Gastspiel als Hofmathematiker bei Wallenstein, stirbt Kepler am 15. November 1630 in Regensburg.