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Geschichte der Astronomie

Spätmittelalter

Die im mitteleuropäischen Raum vorherrschende Weltanschauung ging maßgeblich auf Thomas von Aquin zurück, dem es gelang, die bekannt gewordenen Erkenntnisse der griechischen Antike (z.B. die Kugelform der Erde) mit der Bibel in Einklang zu bringen (ca. 1200 n. Chr.). Dieses Weltbild war in jeder Hinsicht geschlossen, endlich, jeder Mensch hatte seinen Platz in der Welt, konnte bei rechtem Verhalten "aufsteigen". Es fußte auf drei Autoritäten, die im wesentlichen nur mehr interpretiert werden mußten: Die Bibel (Theologie), Euklid (Geometrie) und Aristoteles (Philosophie und Naturlehre).

Ptolemäus in Margarita Philosophica Im Zentrum der Welt befand sich die kugelförmige Erde mit ihren vier Elementen Erde, Wasser, Feuer und Luft, der Raum des Vergänglichen, in ihrem Inneren die Hölle. Über ihr ordneten sich die Planeten an: Mond, Merkur, Venus, Sonne, Mars, Jupiter und Saturn, auf Sphären aus Äther, dem fünften Element (quinta essentia), bewegt von Engeln. Über allem befand sich die Fixsternsphäre mit dem Himmel. Zu diesem Weltbild des Glaubens wurde eine Ergänzung benötigt, da mit diesem keine Berechnungen möglich waren (z.B. Kalender, Navigation). Hier verwendete man das System des Ptolemäus (ca. 100 - 160 n. Chr.), dem es gelungen war, mit etwa 40 kombinierten Kreisen die Planetenbewegungen berechenbar zu machen. Dieses wurde aber nur als mathematische Hilfskonstruktion betrachtet.

"MARGARITA PHILOSOPHICA" von Gregor Reisch (um 1472 - 1523) ist ein typisches Kompendium, eine Enzyklopädie des Wissens der Zeit. Es umfaßt unter anderem die mathematischen Künste Tierkreis aus Microcosmi Arithmetik, Geometrie, Musik und Astronomie, aber auch Astrologie und Alchemie. Ein wesentlicher Aspekt der mittelalterlichen Weltsicht war jener der Entsprechung von Mikrokosmos (Mensch) und Makrokosmos (Universum). In der Hierarchie des Kosmos nimmt der Mensch eine Mittelstellung ein: Durch seine Seele hat er Teil am höchsten Sein, dem göttlichen Geist, seine vergänglicher Körper hingegen besteht aus Stoffen der Erde. Er stellt ein kleines Abbild der ganzen Welt dar. Diese Lehre war vor allem für die Medizin (Paracelsus) und die Chemie relevant, aber auch für die Astronomie und die Astrologie (Entsprechungen Sternenhimmel - Mensch). Kopernikus und Kepler waren von dieser Weltanschauung beeinflußt.

Vor allem in der Medizin und Biologie wirkte sie noch weit über das Mittelalter hinaus. In "MICROCOSMI" von Robert Fludd (1617) ist die Analogie Makrokosmos - Mikrokosmos das gestaltende Prinzip. Die messende Astronomie hatte seit Ptolemäus keine wesentlichen Fortschritte gemacht, selbst Kopernikus verwendete hauptsächlich alte Daten bei der Ausarbeitung seines Systems. Wir finden aber viele detailreich ausgearbeitete Sternkarten, Sonnenuhr Himmelsgloben, wie etwa die im Original drehbare Sternkarte aus dem "ASTRONOMICUM CAESAREUM" von Apianus Petrus (deutscher Astronom und Kartograph, 1495 - 1552).