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Geschichtliches rund um Sonnenfinsternisse

Eine Sonnenfinsternis war schon in früheren Kulturen ein bedeutendes Ereignis und deshalb gibt es auch zahlreiche Aufzeichnungen darüber.

Diese Aufzeichnungen sind auch für die heutige Wissenschaft sehr aufschlußreich und zwar in Bezug auf die Erddrehung. Die Erde dreht sich nicht ganz gleichförmig, sie wird neben noch unbekannten Kräften vor allem durch die Gezeiten, w elche vom Mond verursacht werden, gebremst.

Wenn man den Zeitpunkt einer Sonnenfinsternis berechnen würde, die 2000 Jahre zurückliegt und dabei die heutige Tageslänge verwenden würde und dieses Ergebnis mit einer vorhandenen Aufzeichnung der damaligen vergleichen würde, k&a uml;me man auf einen Unterschied von ca. 4 Stunden. Daraus kann man dann schließen, wie schnell sich damals die Erde drehte.

Frühere Kulturen konnten Finsternisse schon vorhersagen. Die Babylonier wußten wahscheinlich schon 3000 vChr. über den sogenannten Saros-Zyklus bescheid. Das sind jene 18 Jahre und 11 Tage in denen sich die Mond knoten (Schnittpunkte der Erdbahn und Mondbahn) einmal rundherumdrehen, und sich ähnliche Finsternisse wiederholen können. Das ist wirklich eine herausragende Leistung gewesen. Diese Erkenntnis muß innerhalb vieler Generationen entstanden sein, wie sie das geschafft haben ist aber leider nicht bekannt.

Auch wenn sie eine Finsternis berechnen konnten, wußten sie nicht wie diese entstehen. Das ist der Grund für die zahlreichen Mythen die sich um Sonnen und Mondfinsternisse entwickelten.

Bei den Chinesen war es zB. ein Drache, der die Sonne verschluckt und sie nur durch Trommelwirbel der Menschen wieder ausläßt.

Eine über 4000 Jahre alte chinesische Chronik berichtet, daß der damalige Kaiser Tschung-kangh seine beiden Hofastronomen Hi und Ho köpfen ließ. Ihr Verbrechen war, daß sie vergaßen, eine Sonnenfinsternis vo rherzusagen. Es konnten daher keine Vorbereitungen getroffen werden den Drachen mit Trommeln wieder zu vertreiben. Der Drache ließ die Sonne zwar wieder los, aber das nützte den zwei nichts, sie wurden hingerichtet.

Diesen zwei Astronomen wurde am Himmel ein Denkmal gesetzt. Zwei benachbarte Sternhaufen zwischen den Sternbildern Kassiopeia und Perseus tragen jetzt ihre Namen.

Man kann sich vorstellen, daß wenn nur wenige Menschen im Stande sind so eine Finsternis zu berechnen und die ganze Bevölkerung nicht weiß wie es passiert, daß man auch eine große Macht über das Volk hat und Druck aus&uum l;ben kann.

Erst in der griechischen Antike ca. 500 bis 600 vChr. kam man hinter das Geheimnis wie Sonnenfinsternisse entstehen. Es dürfte wahrscheinlich der Philosph Anaxagoras gewesen sein. Doch es genügte nicht, daß die Gelehrten die Finsternisse als ganz natürliche, ja zwangsweise auftretende Erscheinungen erkannten und ihnen damit den Zauber nahmen. Das Wissen darüber mußte auch von den Menschen angenommen werde n, die sich nicht mit der Wissenschaft von den Gestirnen befaßten.

Sonnenfinsternisse galten also lange Zeit als ein Vorbote für ein Unheil, das ist auch heute in der Astrologie noch oft der Fall.

Es gibt viele alte Aufzeichnungen, wo eine Sonnenfinsternis mit einem anderen Ereignis zusammengelegt wurde. Passierte zB in dem einen Jahr eine Finsternis und ein paar Jahre darauf ein Erdbeben, dann wurde im Laufe der Zeit, weil einer vom anderen abschr ieb, die zwei Ereignisse einfach zusammengelegt.

Durch eine Finsternis sind zB. indirekt die Vorläufer der heutigen Staaten Frankreich, Italien und Deutschland entstanden. Der Überlieferung nach geriet der damalige Herrscher des gewaltigen Frankenreiches Ludwig der Fromme bei der Verfinsterung im Jahr 840 so in Panik, daß er kurz darauf verstarb. Da er seine Nachfolge nur unzureichend geklärt hatte, kämpften seine drei Söhne um den Thron, mit dem Resultat, daß das große Reich zerfiel.

Es gibt auch humorvolle Ereignisse rund um Finsternisse. Eines erlebte Thomas Edison, der Erfinder der Glühbirne. Er wählte 1878 als Standort für seine Instrumente einen Hühnerstall aus. Warum gerade dort, ist nicht ü ;berliefert. Leider wußte Edison nicht, wie Hühner auf zunehmende Dunkelheit reagieren. Sie kehrten in den Stall zurück, fanden einen Eindringling und gingen in Angriff über. Edison verbrachte somit den großteil der Totalitä ;t damit sich die Hühner vom Hals zu halten.

Eine andere Anekdote stammt vom Astronomen Johannes Kepler, der im Jahr 1600 in Graz eine totale Sonnenfinsternis erlebte. In einem Brief berichtet er:

"Während ich mit der Bedienung meines Apparates beschäftigt war, den ich auf einer Bühne unter freiem Himmel aufgestellt hatte, ergriff ein anderer die Gelegenheit zu einer anderen Verfinsterung: nicht eine der Sonne, sondern meines Geldbeu tels, dem er 30 Gulden entnahm. Beim Herkules, welch eine kostspielige Finsternis!"

Österreich selbst hat eine lange Tradition was Sonnen- und Mondfinsternisse betrifft, jedenfalls bei der Finsternisberechnung. Theodor Oppolzer hat 1871 seinen Kanon der Finsternisse publiziert. Darin sind Daten über Finsternisse v on 1208 vChr bis 2161 nChr. Dabei sind 8000 Sonnen und 5200 Mondfinsternisse erfaßt worden.

Er hatte damals mehrere Gruppen von seinen "Rechenknechten" gebildet, die jeweils die selbe Finsternis in Angriff nahmen, um Fehler bei der Berechnung zu vermeiden. Das ganze mußte natürlich händisch gerechnet werden und war dadurch eine z iemlich mühsame Angelegenheit.

In Fortsetzung der Tradition veröffentlichte Hermann Mucke, der Leiter der Urania Sternwarte und dem Planetarium im Prater mit Jean Meeus eine Sammlung von Finsternissen von 2000 vChr bis 2526 nChr. Sie berechneten dabei jeweils ca. 110 00 Mond und Sonnenfinsternisse.