| 7.2: Kommunikationswissenschaftliche Methodenlehre |
Helena BEDENICEC Matr. Nr.: 9708242 |
Parapsychologie im InternetWie seriös ist das Internet als Informationsquelle?
Prolog
Ziel der Arbeit ist es, das breite Angebot an Webseiten zu diesem Thema nach einer gründlichen Recherche kritisch zu analysieren und zu interpretieren, um die "Seriosität" des Internet auf den Prüfstand zu stellen.
Es soll die Frage geklärt werden, ob es zu diesem Thema im Internet nur unseriöse "esoterische" Seiten gibt, oder ob auch seriöse Wissenschaftler Beiträge zu diesem Thema verfassen.
Oder bedient sich seriöse Wissenschaft eher nur der "alten", konventionellen Medien (z. B. wissenschaftliche Zeitschriften, Bücher, etc.)?
Eignet sich das Internet nur als "Infotainment-Medium", da von jedem fast unkontrolliert publiziert werden darf?
Weiters soll auch untersucht werden, ob sich Kriterien definieren lassen, die es auch dem Laien ermöglichen die Seriosität des Gebotenen einigermaßen einzuschätzen und damit das wissenschaftlich Verläßliche vom Unseriösen zu trennen.
Dies könnte gerade für psychisch labile Personen von Bedeutung sein, um ein "Abrutschen" in esoterische, sektenähnliche Gruppierungen zu vermeiden.
In Anlehnung an die Arbeit "Die virtuelle Couch - Psychologische Beratung und Psychotherapie im Internet" aus dem WS 1997/98 sollen auch die Motive der User untersucht werden.
Werden diese Seiten nur aus Neugier besucht oder stecken auch psychologische Bedürfnisse oder Probleme dahinter?
Da Parapsychologie oft mit den Begriffen Esoterik oder Mystik gleichgesetzt oder verwechselt wird, ist es notwendig, den Begriff „Parapsychologie“ genauer zu definieren, um eine Grenzziehung zwischen den Begriffen zu ermöglichen.
Parapsychologie versteht sich als Natur- und Sozialwissenschaft, besonders als Teilgebiet der Psychologie. Der Begriff Parapsychologie setzt sich aus der griech. Vorsilbe „pará-“, was „neben“ bedeutet, und dem Wort „Psychologie“, das im allgemeinen mit dem Begriff „Seelenlehre“ wiedergegeben wird, zusammen.
In der Tradition dieser Wissenschaft geht dieser Begriff auf den deutschen Philosophen Max DESSOIR (1867 – 1947) zurück.
Als Teilbereich der Psychologie versucht sie vor allem unerklärliche Wahrnehmungsprozesse (Phänomene der außersinnlichen Wahrnehmung) und unerklärliche Auswirkungen und Veränderungen an materiellen Körpern mit herkömmlichen Methoden der Wissenschaft beispielsweise Messungen, Analysen und statistischen Auswertungen, zu erklären.
Um den Ansprüchen einer Wissenschaft gerecht zu werden, müssen folgende Kriterien eingehalten werden:
- Objektivität = Überprüfbarkeit von Aussagen:
Um sich von mystischen Schilderungen und Aussagen differenzieren zu können, versucht die Wissenschaft, ihre Aussagen und Erkenntnisse objektiv zu treffen und somit die Überprüfbarkeit zu gewährleisten.
Um die Erkenntnisse für allgemein gültig zu erklären, muß bei bestimmten gegebenen Voraussetzungen immer dasselbe Ergebnis eintreten (dies gilt besonders für Laborexperimente). Dies ist ebenfalls ein Kriterium zur Überprüfbarkeit der Aussagen.
- Reproduzierbarkeit = Wiederholbarkeit der Ergebnisse:
Um dem Anspruch der Objektivität (korrekter: Intersubjektivität) gerecht zu werden, müssen Erkenntnisse, aber auch die Methoden des Erkenntnisgewinnes nachvollziehbar sein. Deshalb sollen die Methoden und ihre Erkenntnisse offengelegt, dokumentiert und archiviert werden. Dadurch sind die Methoden des Erkenntnisgewinnes beschränkt und nicht alle Methoden zulässig.
- Nachvollziehbarkeit und Kommunizierbarkeit der Erkenntnisse:
Ein wichtiges Kriterium der Überprüfbarkeit ist die Kommunizierbarkeit des Themengebietes, die durch die Bildung eines komplexen Fachvokabulars erleichtert werden soll. Denn nur artikulierbare Aussagen können überprüft und zugänglich gemacht werden.
Um diesen Aspekt der Wissenschaftlichkeit besonders zu betonen und das Themengebiet zu entmythisieren, spricht der deutsche Parapsychologe Hans BENDER (1907-1991) von „Grenzgebieten der Psychologie“, anstelle den „belasteten“ Begriff Parapsychologie zu verwenden.
Trotz all der wissenschaftlichen Zugänge bleibt dieses Themengebiet kontroversiell und die Parapsychologie gerade als Wissenschaft sehr umstritten. Dies spiegelt sich auch in der Tatsache wieder, daß es bis zum heutigen Zeitpunkt nur wenige Institute und Lehrstühle an Universitäten gibt. In Europa wären da vor allem der „Koestler Chair of Parapsychology“ an der Universität in Edinburgh (Großbritannien) und das „Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene“ in Freiburg i. Br. zu nennen, beide mit ihren Homepages im Internet ebenso präsent wie vor allem amerikanische Hochschul-, aber auch außeruniversitäre Forschungsinstitute für Parapsychologie.
Erkenntnisse und Aussagen, die nicht aus eigener Forschung stammen oder zitiert werden, müssen ihrer Herkunft und Quelle nach genauestens beschrieben werden.
- Quellenangaben:
Im wesentlichen unterscheidet man drei Forschungsmethoden, mit deren Hilfe man unter Wahrung der „wissenschaftlichen Kriterien“ zu Erkenntnissen gelangen will:
1. Qualitative Experimente:
Im Rahmen dieser Experimente werden Menschen, die besonders häufig unerklärliche Phänomene erleben oder Erfahrungen mit ungewöhnliche Wahrnehmungen machen, untersucht. Aufgrund dieser überdurchschnittlich hohen Anzahl an paranormalen Erfahrungen scheinen diese Manschen besonders sensibilisiert zu sein und werden deshalb als Sensitive bezeichnet (ein älterer Ausdruck hierfür wäre der Begriff „Medium“).
2. Quantitative Experimente:
Ziel dieser Experimente ist es besonders, statistische Aussagen zu treffen. Deshalb werden in diesen Experimenten sowohl Personen mit ungewöhnlichen Erfahrungen wie auch Personen ohne Erfahrungen auf diesem Gebiet (um die Repräsentativität zu gewährleisten) untersucht und erforscht.
Als Pionier dieser Forschungsrichtung gilt der amerikanische Parapsychologe J. B. RHINE, der auch den Begriff „Parapsychologie“ in den 30er Jahren im anglo-amerikanischen Sprachraum etablierte.
3. Forschungen anhand von Spontanfällen:
Hierbei geht es um das Sammeln, Auswerten, Analysieren und Dokumentieren von sich spontan und plötzlich ereignenden Einzelfällen.
Im Gegensatz zu den ersten beiden Methoden ist hier nur Überprüfbarkeit (wie in den historischen Wissenschaften), jedoch keine Nachvollziehbarkeit (Wiederholbarkeit, wie im Experiment) gegeben, deshalb ist es notwendig, mit den Schilderungen dieser Fälle besonders sorgfältig umzugehen.
Anhand dieser drei Forschungsmethoden lassen sich alle berichteten Phänomen in zwei Gruppen einteilen. Somit besitzt die Parapsychologie die zwei wesentlichen folgenden Arbeitsgebiete:
1. Außersinnliche Wahrnehmung = ASW:
Darunter versteht man die Aufnahme und Reproduktion von Information durch unerklärliche Wahrnehmung ohne Vermittlung der bekannten Sinnesorgane.
Dazu gehören folgende Untergruppen:1a.) Telepathie: (griech. „Fern-erleiden“)
Der Begriff Telepathie bezeichnet jenes Phänomen, das der Volksmund Gedankenübertragung nennt. Also das Erscheinen eines fremdseelischen Vorganges (wie etwa ein Gefühl, ein Gedanke oder ein Vorstellungsbild) als identischer oder zumindest sehr ähnlicher psychischer Vorgang ohne Vermittlung durch die bekannten Sinneskanäle.1b.) Hellsehen:
Damit bezeichnet man eine unerklärliche Wahrnehmung oder Informationsgewinn eines objektiven Tatbestandes von dem man aber zur Zeit der Wahrnehmung noch keine Kenntnis hatte. Die Erfüllung des Tatbestandes muß aber nicht in der Zukunft liegen, sondern kann zeitgleich mit der Wahrnehmung stattfinden.1c.) Präkognition: (von lat. „prae“ voraus und „cognoscere“ erkennen)
Das Vorherwissen zukünftiger Ereignisse, ohne daß zum Zeitpunkt der Vorhersage zureichende Gründe für das Eintreten der Vorhersage vorhanden sind und ohne daß das vorhergesagte Ereignis als Folge der Voraussage (self-fulfilling prophecy) eintritt. Ein analoges Phänomen dazu wäre die Postkognition, also die Nachsicht über ein vergangenes, dem Erkennenden unbekanntes Ereignis.
2. Psychokinese = PK: (von griech. „kineín“ = bewegen)
Eine psychisch ausgelöste Einwirkung auf materielle Systeme ohne Zuhilfenahme der Motorik. Als Beispiele wären da zu nennen:
- unerklärliches Stehenbleiben von Uhren in der Todesstunde (Spontanphänomen)
- Beeinflussung einer Kompassnadel oder PMB (Paranormales Metall-Biegen/ Uri GELLER-Effekt) (Versuche mit Sensitiven)
- RHINE‘sche Würfelexperimente (statistisches Massenexperiment)
- Stigmatisation (Untersuchung von Sensitiven)
- aber auch seltenere und dadurch auch sehr umstrittene Phänomene wie Levitation (= Schweben), Apporte oder Wunderheilungen
Damit sich der Leser die Forschungsmethoden besser vorstellen kann, soll nur ein Beispielexperiment folgen:Das Ganzfeld-Experiment:
Mit Hilfe dieses Experimentes könnte sowohl die Telepathie als auch die Präkognition, beides Formen der außersinnlichen Wahrnehmung, unter bestimmten Voraussetzungen verifiziert werden.
Versuchsanordnung:
Man geht von der in Spontanfällen oft beobachteten Tatsache aus, daß parapsychologische Phänomene am häufigsten in entspannter, ruhiger Atmosphäre auftreten. Also in jenen psychischen Momenten, in denen sich das Unbewußte besonders deutlich bemerkbar macht.
Ein Beispiel dafür ist der Traum. Da sich im Traum das Unbewußte besonders deutlich bemerkbar macht, bezeichnete Sigmund Freud ihn als "Via regia" zum Unbewußten.
Um einen ähnlichen psychischen Zustand der Versuchsperson während des Experimentes zu gewährleisten, versucht man die Versuchsperson so gut wie möglich zu entspannen und sie von allen anderen äußeren Eindrücken abzuschirmen.
Daher liegt die Versuchsperson in einem (von elektromagnetischen Einflüssen abgeschirmten) Raum, die Augen sind durch mit Watte ausgepolsterte Tennisbällenhälften von äußeren Einflüssen abgeschirmt, mildes Rotlicht erfüllt den Raum, über Kopfhörer wird "weißes Rauschen" eingespielt. Die Versuchsperson erhält den Eindruck, als ob sich ihrem Bewußtsein ein weites "ganzes" Feld eröffnet, das dem Experiment auch den Namen verlieh.
Nun wird versucht, der Versuchsperson telepathisch ein bestimmtes Bild, das sogenannte "Target" zu vermitteln. Es gibt 3 Arten von Targets:Das Ergebnis des Experiments:
- positive: beispielsweise ein Zeitungsbild auf dem ein Liebespaar abgebildet ist
- negative: beispielsweise ein Zeitungsbild auf dem Kriegsszenen abgebildet sind
- neutrale: beispielsweise ein Zeitungsbild auf dem eine Landschaft zu sehen ist
Die Übermittlung von negativen Targets gelingt am besten, da sie die stärksten Emotionen hervorrufen können. Dies erklärt die Tatsache, daß in Spontanfällen oft der Tod eines Verwandten, nicht aber die Lottozahlen der nächsten Lottoziehung, etwa durch einen Traum vorausgesehen wird. Der Tod (als negatives Item) weckt mehr Emotionen als die Lottozahlen (positives Item).
Dies beweist, daß Telepathie oder Präkognition unter der Wahrung folgender Voraussetzungen, im Experiment auch als Variable bezeichnet, möglich ist:
- Variable a: hoher Entspannungszustand der Versuchsperson
- Variable b: hoher (negativer) Emotionsgehalt des Targets
II. Definition des Begriffes "Esoterik":
Der Begriff "Esoterik" kommt vom griech. "esoteros", das so viel wie "innerlich" bedeutet.
Daher stellt Esoterik eine Art "Geheimlehre" oder das in sich gekehrte religiöse oder wissenschaftliche Wissen dar.
Im Gegensatz zur Parapsychologie ist daher die Esoterikszene an keiner wissenschaftlichen Erforschung dieser Phänomene interessiert sondern eher an deren praktische Anwendung und vor allem der kommerziellen Nutzung!
Der Erkenntnisgewinn in der Esoterik spielt sich nicht in Laboratorien durch Experimente, wie das oben beschriebene "Ganzfeld"-Experiment, statt, sondern eher durch Meditationspraktiken und "innerer Einkehr". Das gewonnene "Wissen" ist daher für andere nicht zugänglich oder vermittelbar.
Durch den kommerziellen Aspekt ist die Objektivität stark eingeschränkt! Denn wer kommerziell orientiert ist, muß sich vom Gesetzt der Angebot und Nachfrage leiten lassen und ist in seiner Objektivität stark eingeschränkt.
Da die Esoterik psychische Täuschungen (z. B.: Optik) zum Erkenntnisgewinn nicht ausschließt und ihre "Fachbegriffe" in Experimenten nicht belegbar sind, ist sie nicht als seriöse Wissenschaft zu bezeichnen.
Beispielsweise gibt es für den häufig verwendeten Begriff "Chakra" [von skrt. "Rad"], der so viel wie Energiezentrum bedeuten soll, keine Maßeinheit oder gar Meßgerät, wie es für den physikalischen Begriff der Energie, den man in Joule (J) mißt, der Fall ist.
"Chakren" können nach den esoterischen Lehren durch Meditation gesteigert werden, aber die Steigerung kann NICHT gemessen werden.
Nicht nur die Begriffsbestimmungen sondern auch die Nachweisbarkeit der esoterischen Erkenntnisse sind vom wissenschaftstheoretischen Standpunkt unzureichend. Denn viele Beschäftigungsfelder oder Teilbereiche der Esoterik wie z. B.: "Ufologie", "Radiästhesie" oder die Astrologie können ihre Ergebnisse nicht unter Laborbedingungen verifizieren.
Ein wichtiges Ziel der Esoterik liegt in der Lebenshilfe bzw. Lebensberatung.
Vom psychohygienischen Standpunkt ist unbedingt zu erwähnen, daß die Esoterik oft unerfüllbare Versprechungen abgibt und falsche Tatsachen suggeriert.
So werden beispielsweise Heilungen oder Verbesserungen des Gesundheitszustandes durch Wundermittel wie Mineralien, Kristalle und andere Steine oder auch wundersame Amulette versprochen und dem Patienten suggeriert.
Durch unklare Begriffsbestimmungen und durch Mangel an Objektivität werden esoterische Inhalte oft mit religiösen Motiven und Grundgedanken vermischt. Daraus entstehen Befreiungslehren, Meditationsschulen, "Lebenstherapien" und auch Sekten wie etwa die mehrmals strafrechtlich verfolgte Sekte "Fiat Lux", deren Begründerin "Uriella" schon mehrmals den Weltuntergang vorhersagte.
Da es sich bei esoterischen Inhalten oft um bloße kommerzielle Interessen handelt, muß ausdrücklich vor einer unkritischen Rezeption gewarnt werden.
III. Motive der Anbieter und User:
Das Internet bietet sowohl der Parapsychologie als auch der Esoterik viele Vorteile, um ihre Inhalte zu publizieren und für ihr Gebiet zu werben.
Dabei sind zwei wesentliche Vorteile des Internets besonders zu erwähnen:
1. Es kann eine enorme Anzahl an Usern angesprochen werden
2. Der Aspekt der Interaktivität ist vor allem für parapsychologische Forschung ausschlaggebend.Trotzdem unterscheiden sich die Motive der Anbieter wie folgt:
Motive der Parapsychologie:
Informationsdarbietung mittels Webseiten:
hier werden Institute, Forschungseinrichtungen, wissenschaftliche Gesellschaften und einzelne Wissenschaftler vorgestellt. Es werden zahlreich Informationen über Forschungsprogramme, Veranstaltungen, Kongresse, Literaturlisten, etc. angeboten.
Informationsaustausch mittels Diskussionsforen, newsgroups und mailing lists:
hier kann über Forschungsmethoden, -ergebnisse, wissenschaftliche Publikationen, Kongresse und alles andere, die Wissenschaft betreffende, diskutiert werden. Um ein gewisses Diskussionsniveau einhalten zu können, das nur der Wissenschaft dient, sind viele dieser Listen nur exklusiv für Mitglieder der jeweiligen Forschungseinrichtung zugänglich.
Anbieten von Experimenten im Netz:
Da das Internet den besonderen Vorteil der INTERAKTIVITÄT bietet, wird es vor allem in der Forschung eingesetzt. Das "virtuelle" Labor und Experimente im Netz erreichen einen großen Stichprobenumfang (Sample), was für die Repräsentativität des Experimentes wichtig ist und bieten dem User die Möglichkeit, sich interaktiv an der Forschung zu beteiligen.
Hier können zwei Programmbeispiele zum Selbertesten heruntergeladen werden (freilich sind diese beiden Beispiele keine echten Forschungs-, sondern eher Spielprogramme, sie genügen aber als Demonstration, wie eine Benutzeroberfläche aussehen mag):
Vernetzung der Forschung:
Da es sich bei der Parapsychologie um eine noch sehr junge Wissenschaft handelt, ist die weltweite Vernetzung für den Informationsaustausch der Wissenschaftler sehr wichtig. Dafür bietet das Internet wesentliche Vorteile, da es den Informationsaustausch nicht nur beschleunigt sondern durch die enorme Datenvielfalt auch vereinfacht.
Motive der Esoterik:
Anbieten von Unterhaltungsmaterial:
Viele Homepages weisen vorwiegend unterhaltenden Charakter auf, in dem sie "Ufo-Videospiele", "Akte X- Fanartikel", virtuelle Voodoo-Puppen und "spannende" Phänomenberichte anbieten, aber keine wissenschaftlichen Informationen enthalten.
Kommerzielle Nutzung:
Die kommerzielle Nutzung des Internet wird in diesem Sektor besonders stark eingesetzt. Viele Esoterikfachhandlungen, Heilpraktiker, Sekten und esoterische Gruppierungen versuchen hier nicht nur Werbung zu machen, sondern durch Bestellisten auch ihre Artikel zu verkaufen. Hier sind Räucherstäbchen, Yin-Yang Kugeln, spirituelle Musik, Tarotkarten, Mondkalender, Mineralien, Amulette, etc. erhältlich.
Motive der User:
Neugier und Interesse:
Besonders in newsgroups wird ersichtlich, daß sich der Großteil der User einfach aus Neugier und Interesse, sehr häufig durch eigene seltsame Erlebnisse - die sich einer Einordnung in das durch Erfahrung verständlich Gewordene widersetzen - geweckt, an dieses Angebot im Internet wendet.
Beratung:
Die Erfahrung zeigt, daß sich viele Menschen durch eigene Erlebnisse, durch das große Angebot am "Psychomarkt" oder gerade in letzter Zeit durch Weltuntergangsprophezeiungen verunsichert fühlen. Dieser Verunsicherung, aber auch abergläubischer Überhöhung und anderen Mißverständnissen und Fehlinterpretationen entgegenzutreten, ist Aufgabe der Psychohygiene (psychische Hygiene = seelischer Gesundheitsschutz), wobei diese nach Bender ein permanenter Begleitauftrag der Parapsychologie ist. Zu diesem Zwecke wurde u. a. am Institut für Grenzgebiete der Psychologie und Psychohygiene (IGPP) in Freiburg i. Br. eine parapsychologische Beratungsstelle eingerichtet. Auch für Ziele der Psychohygiene kann das Internet genützt werden, wobei es einerseits um die generelle Aufklärung, das Verständlichmachen von Zusammenhängen, durch das im Internet vorhandene seriöse Informationsangebot geht, andrerseits um die Möglichkeit, daß User sich per e-mail oder feed-back-Formular (postform) an die an einschlägigen Instituten tätigen Mitarbeitern mit konkreten Problemstellungen um Beratung wenden können. Eine "Psychotherapie" sensu strictu kann freilich nicht angeboten werden.
Unterhaltung:
Das große Angebot an Videospielen und Ähnlichem zeigt, daß es auf diesem Sektor auch ein großes Unterhaltungsbedürfnis seitens der User gibt. Auf Ufo-Videospiele ist bereits hingewiesen worden; bei im Internet angebotenen Tests zur ASW und PK gibt es neben den seriösen Forschungsprogrammen, die das Internet zum virtuellen Labor machen (und daher auch die Ergebnisse an das jeweilige Institut, welches das Programm auf seiner Website ins Netz gestellt hat, zurückmelden) auch zahlreiche Programme (wie unsere Download-Beispiele), die doch eher Unterhaltungscharakter haben.
IV. Repräsentation von Parapsychologie und Esoterik im Internet:
Nach dieser Einführung soll nun, ähnlich einer Inhaltsanalyse, die Repräsentation dieser Gebiete im Internet untersucht werden. Das allzu umfangreiche Angebot an Webseiten zu diesem Thema soll durch gemäß den folgenden Kriterien in die Gebiete Parapsychologie und Esoterik eingeteilt werden:
Inhalt:
trotz thematischer Überschneidung gibt es gravierende Unterschiede im methodischen Zugang zum jeweiligen Bereich, im Niveau von Diskussionsforen, etc., die auch dann deutlich genug zum Tragen kommen, wenn esoterische oder pseudowissenschaftliche Seiten mit einer scheinwissenschaftlichen Terminologie operieren (z. B. "Ufologie")
graphische Aufmachung:
im allgemeinen sind seriöse Seiten eher unprätentiös gehalten, während esoterische Seiten häufig marktschreierisch und grell gestaltet sind (siehe Beispiele) und sich vielfach auch durch schlechtes Webdesign (zu viel Animation) schon am ersten Blick verraten
Exklusivität:
im seriösen Bereich gibt es häufiger moderierte mailing lists oder mailing lists, deren Mitglied man nur über Einladung werden kann, bzw. auf den Webpages für Mitglieder der jeweiligen Organisation (z.B. der Parapsychological Association) reservierte Bereiche.
Quellennachweise:
wie auch in anderen Gegenstandsbereichen ist die Ausführlichkeit und Genauigkeit von Zitaten bzw. Quellenangaben - sowohl für Text wie auch Bildmaterial - im allgemeinen ein brauchbarer Indikator für die Seriosität der jeweiligen Webseite.
Signifikante Beispiele für Webseiten beider Kategorien sind in den beiden Linksammlungen zusammengefaßt:
Ein kleines Beispiel zur graphischen Aufmachung:
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Hier ein Vergleich zweier Webpages anhand eines Vergleiches ihrer Überschriften:
Während die linke Seite, die Seite einer Internationalen Forschungseinrichtung, eher schlicht gehalten ist und damit den seriösen Forschungsanspruch und Wissenschaftscharakters des Faches betont, ist die rechte Seite eher dunkel und "unterhaltend" gestaltet.
Daher erinnert die linke Seite eher an rational-kühle Laboratmosphäre, während das Betrachten der rechten Seite eher (unbewußte) Assoziationen an spiritistische Sitzungen ("Tischerlrücken") oder Séancen weckt und damit beim Betrachter die Aura des "Geheimnisvollen" hervorzurufen sucht.
Um keine bloße Momentaufnahme des Webseitenangebotes abzugeben, ist es notwendig gewesen, im Sinne einer Langzeitstudie zu handeln und das Webseitenangebot öfters und mehrmals, auch durch verschiedene Suchmaschinen, zu untersuchen.
Bei allen Vergleichsuntersuchungen stellt man aber eindeutig fest:
Im Internet ist viel mehr esoterisches Material als
parapsychologisches Material zu finden!Die größenordnungsmäßige Verteilung von seriösem und unseriösem Material im Internet ist aus folgender Grafik ersichtlich:
|
1 = esoterische Webseiten
2 = populärwissenschaftliche Webseiten zur Parapsychologie 3 = seriöse, wissenschaftlich verläßliche Webseiten zur Parapsychologie |
Die populärwissenschaftlichen Seiten stellen häufig eine "Grauzone" dar, und im Einzelnen mag es schwierig zu entscheiden sein, ob eine bestimmte Seite eher in die seriöse Parapsychologie-Linksammlung oder doch eher in die vergröbernde bis unseriöse Esoterik-Linksammlung gehört.
Auf den ersten Blick scheint das Internet eine eher unseriöse Informationsquelle zu sein!(Erst auf den zweiten Blick erkennt man, daß auch - jedoch schwierig, wie die sprichwörtliche Nadel im Heuhaufen - seriöse Information auffindbar ist.)
Ein wesentlicher Grund hierfür läßt sich in der Tatsache finden, daß es für das Publizieren im Internet keinerlei bindenden inhaltlichen bzw. qualitativen Richtlinien, Kontrollinstanzen oder Regeln gibt.
Im Gegensatz dazu ist das Publizieren in Printmedien durch Blattlinien für Zeitungen und Zeitschriften oder Verlagslinien für Bücher eingeschränkt, geregelt und kontrolliert.
Im Internet darf anscheinend jeder was er will, wie er will, solange er will und so viel er will unkontrolliert publizieren!
Dies ist schon aus den zahlreichen Diskussionen über Kinderpornographie und Rechtsradikalismus im Internet bekannt.
Im Bereich der Esoterik muß ebenfalls darauf hingewiesen und davor gewarnt werden.
Denn viele esoterische Gruppierungen, Sekten, Ufo-Gläubige oder auch Satanisten, die ebenfalls mystische Inhalte besitzen, versuchen ebenfalls auf diese Weise auf sich aufmerksam zu machen und damit um Mitglieder zu werben.
Die von ihnen publizierte Inhalte sind insbesondere gefährlich, wenn sie irrationale Ängste schüren, indem sie vor Weltuntergängen oder Ufo-Entführungen warnen.
Dies kann unter Umständen sogar zu Suizidversuchen führen (vor allem bei Sekten wie z. B. Sonnentempler, Satanisten ...)
Auch von wundersamen Heilungen schwer erkrankter Personen durch Wunderheiler, Heilpraktiker, etc. soll an dieser Stelle gewarnt werden.Gewiß ist aber die sehr einfache Möglichkeit, im Internet zu publizieren, nicht der einzige und vielleicht nicht einmal der wesentlichste Grund für das Überwiegen von unseriösem Material, wie ein Vergleich mit den Printmedien zeigt.
V. Vergleich mit den Printmedien:
Um aber eine ernste Aussage über die Seriosität des Internets in diesem Themenbereich zu geben, ist es nicht ausreichend, das Internet-Angebot isoliert von den anderen Medien zu betrachten.
Der Vergleich mit den Printmedien bezieht sich exemplarisch auf Zeitschriften und kann somit - was die "esoterische Hälfte" anlangt - beim nächsten Zeitungskiosk nachvollzogen werden.Was die graphische Gestaltung anlangt, so gilt offenbar - mutatis mutandis - das oben Erwähnte auch für die Zeitschriftencovers, wie die Gegenüberstellung deutlich macht.
Gerade bei der Gestaltung der Zeitschriftencovers wird klar, was die wesentliche Ursache für den erwähnten Unterschied ist: die Gestaltung soll einen Kaufanreiz bieten, d.h., es stehen bei den Printmedien massive ökonomische Interessen im Vordergrund. Das ist im Rahmen der Internet-Seiten im gegenständlichen Bereich gewiß auch, aber doch nur zu einem kleineren Teil der Fall - während manche Seiten teure Seminare etc. anbieten, wollen viele private Ufo-Gruppen, Spiritistenzirkel, etc. nur ihre Ideen verbreiten, aber nichts verkaufen. Trotzdem orientiert sich die graphische Gestaltung ihrer Seiten am Plakativen.
Der an Parapsychologie interessierte potentielle Leser einer Zeitschrift findet im Sortiment seiner Buchhandlung bzw. Trafik oder beim Zeitungskiosk ausschließlich die marktschreierischen Esoterik-Anbote und vielleicht das Eine oder Andere aus dem Bereich des Populärwissenschaftlichen, was in seiner Aufbereitung vielfach fragwürdig bleibt. Seriöse oder gar wissenschaftliche Zeitschriften (wie sie beispielhaft auf meiner Gegenüberstellung reproduziert sind) bekommt er - schon wegen ihrer geringeren Verbreitung - dort gar nicht zu Gesicht.
Da ist die Situation im Internet deutlich anders: bei vernünftiger Verwendung vom Suchmaschinen kann auch der interessierte Laie ohne Probleme und in kurzer Zeit zu seriösen, wissenschaftlich verläßlichen Seiten vordringen, die ihm fachliche Orientierung erlauben. Wichtig ist, daß der User dabei - nach den oben angegebenen Kriterien - selbst das Sensorium dafür entwickelt, Seriöses von Unseriösem schon bei einer schnellen Vorauswahl unterscheiden zu können. Dann wird es ihm auch gelingen, sich trotz des Überhanges unseriösen Materials im Web auch in dem schwierigen Bereich der Grenzgebiete zurechtzufinden, verläßliche Information herausfiltern zu können, ggf. an interaktiven Seiten teilzunehmen - mit einem Wort, die Möglichkeiten der modernen Informationstechnologie nutzbringend verwenden zu können. In dem so "demokratischen" Medium Internet ist die autonome, verantwortungsbewußte Entscheidung des Individuums mehr gefragt denn je zuvor.
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