Senfkunde    Allgemeines   Palindromistik 
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  Das Sonstige

Scharaden:

Eine Scharade ist ein Satz, der, wenn man die Wortgrenzen verändert, eine andere Bedeutung bekommt.
(Falls nicht anders erwähnt ist hier der Autor Maitreya.)

a) Keine zwei Felsen fallen
Die versteckte Botschaft: "Keine Zweifel: Senf (gebührt) allen!"
Zentraler Punkt der Konzeption der Senfkunde.

b) Hausgehege
Eine Kykloscharade mit Aufruf an einen Stubenhocker der seine ganze Zeit im Gehege seines Hauses verbringt: "Gehe! Geh aus!"


c) Komm an Dantes Tag toben!
Eine verschlüsselte Mitteilung bei Morgengrauen an einen Militärkommandanten, der sich in einem unterirdischen Bunker verschanzt hat.

d) Dreihundert Ränke!
Aufforderung, drei Hunde zu ertränken.

Einschub1:
63. ne Biene, die bei den Eiben hastet - sah ne Biene die beiden Eiben? (anonym; Autorin der Redaktion bekannt.)
Natürlich - wenn die Biene so schnell an den beiden Eiben vorüberfliegt, hat sie die Eiben dann überhaupt gesehen? 
(Zwar keine Scharade, aber ein Palindrom mit Scharadencharakter)

Einschub2:
79. Reit nun, Tier; reit’n Untier!

Platte Kontradiktion von Maitreya’s Reitstier-Palindrom (Nr. 43); hier wird tatsächlich ein Tier zum Reiten aufgefordert, allerdings soll es nicht etwa ein anderes Tier reiten, sondern eben ein Un-Tier. – (Hier begegnet uns (nach zaghaften Annäherungsversuchen wie Nr. 63 und 72) – erstmals ein reines Scharadenpalindrom: ein Palindrom, dessen Hälften zugleich Thema und Auflösung einer herkömmlichen Scharade darstellen.)


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Wortpermutationen
 

Das Wortmaterial des nachstehenden Originalgedichts (einschließlich des Titels) wurde permutiert mit Rücksicht auf Vollzähligkeit und Lautgestalt, nicht jedoch auf grammatische und semantische Kategorien, in einigen Fällen auch nicht auf Groß- und Kleinschreibung, und das Resultat mit einem neuen Titel versehen.

TRAUMWANDERUNG0

Schon1 wollen2 die3 müden4 Häuser5 in6 Staub7 zerfallen8,
die9 letzten10 Gäste11 verlassen12 fröstelnd13 das14 Herz15,
im16 roten17 Abend18 verrauchen19 die20 langen21 Straßen22,
dröhnend23 und24 prunkend25 eilen26 sie27 von28 uns29 fort30.
Voll31 wachen32 Schlafes33 sind34 Wind35 und36 Wolken37 und38 Wasser39,
aufblitzende40 Meere41 umspülen42 die43 Ufer44 des45 Tags46,
erschauernd47 ziehen48 uns49 Wellen50 in51 träge52 Wirbel53,
wir54 treiben55 von56 dannen57 und58 kennen59 einander60 nicht61 mehr62.
Im63 Mondlicht64 erstarren65 die66 Fluten67 zu68 atmenden69 Hügeln70,
der71 Wind72 weht73 süßen74 Geruch75 von76 toten77 Gründen78 herauf79,
kahl80 grüßen81 uns82 Bäume83, mit84 Leichen85 und86 Lichtern87 behangen88,
aus89 blinden90 Quellen91 schaut92 still93 unser94 weißes95 Gesicht96.
Wo97 alle98 Straßen99 dich100 kreuzen101, verweilen102 kauernde103 Schatten104,
verwanderte105 Schritte106 zögern107, der108 Wind109 verstummt110.
In111 eisigem112 Glase113 finden114 wir115 spät116 uns117 wieder118
und119 reichen120 uns121 die122 greise123 Kinderhand124. (Bruno Goetz, 1920)
 
 

[AUGENAUFSCHLAG]

Die3 letzten10 Schritte106 der71 Traumwanderung0 ziehen48 uns29 von28 dannen57,
kreuzen101, verweilen102 und24 grüßen81 erschauernd47 das14 in51 Schlafes33 Kinderhand124 kauernde103 Mondlicht64.
Wir54 wachen32 fröstelnd13, finden114 einander60 verstummt110,
Gäste11 von56 Hügeln70, wo97 der108 Wolken37 verwanderte105 Quellen91,
Wirbel53, Wellen50, Straßen22, Geruch75 und36 Wasser39,
die9 Wind35 von76 Leichen85 in6 aufblitzende40 Bäume83 treiben55,
Ufer44, die20 dröhnend23 atmenden69 Schatten104
süßen74 Wind72 reichen120, zu68 spät116 zerfallen8.
Schaut92, verlassen12 sind34 tags46 die43 langen21 Fluten67,
die66 Blinden90 und38 Toten77 weht73 fort30 im16 müden4 Glase113 unser94 Gesicht96,
des45 roten17 Staub7 im63 Wind109 greise123 Häuser5 umspülen42;
kahl80 die122 Straßen99, sie27 verrauchen19 uns49 in111 eisigem112 Meere41,
eilen26 uns82 prunkend25 aus89 lichtern87 Gründen78 herauf79
und58 wollen2 uns117 - dich100, weißes95 Herz15,
behangen88 mit84 Abend18, still93, träge52 und86 voll31.

Wir115 zögern107, erstarren65 und119 kennen59 uns121 schon1 wieder118 nicht61 mehr62. (Carudatta, 2000)


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Anagrammgedichte

(von Carudatta; garantiert unpubliziert, etwa aus der gleichen Schaffensperiode und nach derselben Methode entstanden wie das  Palindromgedicht. Bei Interesse für weitere Dichtwerke dieser Art wird der Leser gebeten, das Gesamtwerk von Unica Zürn und Oskar Pastior zu studieren, desgleichen das des deutschen Barockdichters Philipp von Zesen.)
Die jeweils erste Zeile enthält das Thema jedes Gedichts; im ersten Fall stammt es aus J. H. Voß’ Ode An Goethe (”Freier Goethe, du darfst die goldne Fessel, / aus des Griechen Gesang geschmiedet, höhnen! / Shakespeare durft es und Klopstock, / Söhne, gleich ihm, der Natur!”), im zweiten von einer Landkarte (Somalia hat man tatsächlich mal so genannt), im dritten ist es auch eine fremde Gedichtzeile, ich glaube, ursprünglich in spanischer Sprache, aber ich finde sie nicht mehr.
 
1. 

Freier Goethe, du darfst die goldne Fessel
fressen, da Dido steife Fuder Holler eggte:
Helgoland festigte Freuds Eise der Forde,
Teufel fegen die Dorfsteige, Soldherr; das
gradere Futtergesind soff die helle Dose!
Fliederhof, Edda, Fuge: der segenslose Ritt
rafft Heidefledderer. O Glutenei des Sogs!

 

2. 

Somaliland.
Don Millas
las modal in
Salon Maldi
das in a-moll:
Mo als Nidal,
Nidal als Om,
Mala, so lind.
Sold an Lima,
lila Dom, San
Malo, Island,
Salmon Dial.
Sand, Olm, Ali,
Smaland Oil,
Nold-Salami
mild, an Laos. -
Amos Dillan.

 

3. 

In einem Wetterhahn
Einheitwart nehmen
Thane im Winter. Ehen,
Ehen nahte im Winter
Wehenmieteamt Hirn;
Ehethema. Wirtinnen
hatten nie mehr Wein
mit Tran, Weihehenne.
Ah, wen mieten Hirten,
wenn ihr Mate-Tee ihn
warnt? Minne, oh Tee in
Teheran: Wein hin, Met -
nein, nie weht Marthe
an weite Thermen hin!

 

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Schüttelreime:

Wie bei den Palindromen herrschen auch hier strenge Auswahlkriterien. 
§1: Außer den beiden quassorhythmischen Wortpaaren darf nicht mehr als ein Wort benutzt werden, um eine sinnvolle Phrase zu bilden. 
§2: Nur solche Wortpaardoppel sind zulässig, bei denen tatsächlich die bloße Transposition der Anfangsbuchstaben zu neuem Wortsinn führt; phonetische Näherungslösungen wie eisige Flammen statt fleißige Ammen sind unzulässig. 
§3: Wie im Falle der Palindrome ist ein Kommentar mitzuliefern; blanken Nonsens liefern kann jeder.

(a - e von Gayatri & Maitreya, f - m von Carudatta)

a) Weber finde im Feberwinde!
Aufforderung, im Februarwind Weber zu finden.

b) Leben raus aus Rebenlaus!
Kampfruf der niederösterreichischen Winzer.

c) Länder beben wenn Bänder leben.
Mysteriöser Orakelspruch

d) Firnhehler haben Hirnfehler.
Abwertende Sentenz über Menschen, die mit Firn hehlen.

e) Mederlieder besingen Ledermieder.
Neue Erkenntnis über die fühe Kultur der Meder.

f) Hohe Reime für rohe Heime
Slogan der neuen poetischen Bildungsoffensive (NPBO)

g) Röhren Finnen in Föhrenrinnen?
Genug Föhren, um Rinnen draus zu bauen, gäb's in Finnland ja.

h) Finken tröten - aber trinken Föten?
Problemstellung der vergleichenden Naturgeschichte.

i) Ziehen fliegen, oder fliehen Ziegen?

j) Reden Inder über Eden-Rinder?
d. h. über die heiligen Kühe des Paradiesgeheges?

k) Wässer fallen, wenn Fässer wallen
= wenn Wasser enthaltende Fässer überkochen

l) Leite Winzer ins Weite, Linzer!
Aufforderung an einen Einwohner der Stadt Linz, Weinbauern in die Irre zu führen)
 

abschließend eine vertrauliche mitteilung:
m) Meine Forellen fressen feine Morellen.


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Clerihew Goes East

Im Gegensatz zum Limerick, dessen historische Wurzeln noch immer im Dunkeln liegen, läßt sich die außerhalb des anglophonen Raums wenig bekannte lyrische Form des Clerihew auf eine konkrete historische Person zurückführen: Edward Clerihew Bentley (1875-1961), der ihn als Schüler während einer langweiligen Chemiestunde erfunden haben soll. Der Clerihew - Bestandteil der "Volksdichtung der Intellektuellen" - definiert sich durch klar umrissene inhaltliche (Kurzbiographie bzw. umumstößliche Aussagen über eine berühmte Persönlichkeit nebst Namensnennung) und formale Kriterien (Vierzeiligkeit, zwei Paarreime, möglichste Kürze aller vier Zeilen, wobei eine - besonders stark mit Bedeutung befrachtete - meist deutlich länger ist als die anderen drei; tunlichste Benutzung des prominenten Namens als Reimwort). Also:


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